(161) „Hallo?“, bellte Herwig Bernhäuser in die Freisprechanlage seines Audi Q7.

von Alain Fux

„Hallo?“, bellte Herwig Bernhäuser in die Freisprechanlage seines Audi Q7. Seit er immer wieder seine Mobilnummer ändern musste, weil irgendwelche Trottel ihn am Telefon beschimpften, war er vorsichtig geworden. Es war Albert List, den Bernhäuser schon ewig kannte und der ihm immer mit seinen Medienkontakten half. Deshalb hatte er als Dankeschön List mit in die Jury für den Sportler des Jahres aufgenommen. Albert erzählte, dass er leider nicht kommen konnte, weil eine Bombe in seinem Garten gefunden worden war. „Ach herrje“, meinte Bernhäuser. „Aber du bist in Sicherheit, ja? Gott sei Dank, das ist das Wichtigste.“ Er hatte Verständnis und drückte List die Daumen. „Ich habe ja selbst Erfahrung bei Bomben. Wenn sie platzen, sollte man sehr, sehr weit weg sein“.

Bernhäuser war langjähriger Präsident des Verbandes der Sportverbände. Kritiker hatten ihm immer wieder korruptes Verhalten vorgeworfen, aber Bernhäuser hatte sich danach immer nur einmal geschüttelt und weitergemacht wie vorher. Er war unersetzlich. Bevor die Veranstaltung begann, hatte er noch ein Treffen mit Klemens Heizmann, einem Saftproduzenten, Marke ‚Tsap‘. Auch er ein guter Freund.

Da Heizmann einer der wesentlichen Werbepartner einiger Verbände war, sollte diese Verabredung nicht öffentlich stattfinden. Deshalb trafen sie sich in einer Autobahnraststätte. Heizmann war schon dort und trank ein Glas Saft. „Konkurrenzbeobachtung“, bemerkte er, denn es war nicht sein Produkt. „Aber unseres ist besser positioniert.“ – „Das freut mich, Klemens.“ Bernhäuser ließ drei Süßstoffpillen in seinen Kaffee plumpsen und rührte um. Seine schwarzen Autofahrerhandschuhe trug er immer noch. Er verabscheute es, in öffentlichen Gebäuden irgendetwas direkt anzufassen. Vor allem grauste es ihm vor schmierigen Flächen.

Heizmann erklärte ihm, dass er die Möglichkeit haben wollte, einzelne Ligen einzelner Verbände nach seinem Produkt zu benennen. „Ich will die Tsap-Liga und ich sehe keinen triftigen Grund, warum das nicht gehen soll. Herwig, ich brauche deine Hilfe. Du kannst mit diesen Armleuchtern reden und sie zur Vernunft bringen.“

Bernhäuser testete den Kaffee. Er war ungenießbar. Er verzog den Mund. „Du hast doch bestimmt ein Herzensprojekt, das ich fördern könnte“ fuhr Heizmann fort. „So hat jeder was davon. Komm, mein Lieber, es ist für einen guten Zweck.“

Bernhäuser schaute sich diskret um. Nur Familien, Handelsvertreter oder Jugendliche an den Tischen um sie herum. „Du stellst dir das so einfach vor, Klemens. Ich mach das ja nicht allein. Viele Leute haben da Unkosten. Lass uns mal überlegen, wie wir das anstellen.“

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