(159) List kam um seinen Schreibtisch herum, umarmte Kops und schlug ihm auf die Schultern.

von Alain Fux

List kam um seinen Schreibtisch herum, umarmte Kops und schlug ihm auf die Schultern. „Max, schön, dass es geklappt hat. Setz dich. Kaffee? Ursula, einen doppio macchiato und ein Wasser für mich.“

List schloss die Tür und setzte sich Kops gegenüber auf einen Sessel. „Was machen unsere Menschen im Hotel?“ Kops gab ihm einen Überblick darüber, was er in der letzten Woche gemacht hatte, mit welchen Schauspieler er sprach, wie die Planungen mit den Bühnenbildnern vorangingen. „Klingt gut. Was macht das Drehbuch?“ Kops erklärte, dass er noch damit kämpfte, das Buch in das 21. Jahrhundert zu holen. „Es ist immer noch so viel von diesem großbürgerlichen Gewürge in der Geschichte. Nur alte Fürze: Arzt, abgehalfterte Ballerina, Buchhalter, Topmanager und so weiter. Ich habe mit guten Freunden und einigen Flaschen Rotwein ein nächtliches Brainstorming abgehalten, um die Essenz der Geschichte zu destillieren und in die Jetzt-Zeit zu überführen. Es war klar, dass wir mehr an den Charakteren drehen müssen. Sie müssen jünger und quirliger sein. Ich will es auch etwas exotischer machen. Ich habe mir gedacht, dass es sehr auflockernd wirken könnte, wenn eine Gruppe von Zirkusartisten auf Tournee im Hotel übernachtet. Es wäre auch ein roter Hering für die Einbrüche in den Zimmern – man käme nicht so schnell auf Baron Gaigern. Den will ich auch verändern. Barone gibt es ja kaum noch. Ich habe mir gedacht, dass er Rapper sein könne. Da könnten wir Ducky D. nehmen. Er ist gerade von einer Detox zurück und voll gut in Schuss.“

List hob abwehrend die Hände. „Eines muss ich dir lassen, Max. Es ist auf jeden Fall anders als im Buch, wo steht: ‚Menschen kommen. Menschen gehen. Nie passiert etwas.‘ Bei dir ist immer etwas los. Jede Woche sieht das Projekt komplett anders aus.“

Langsam versiegte das Pferdegrinsen in Kops‘ Vollbart. „Max, ich will, dass du erst einmal keine neuen Verträge abschließt, bevor ich nicht mit den Geldgebern gesprochen habe. Die Leute haben Garbo und Crawford vor Augen. Wir dürfen sie nicht vor den Kopf stoßen. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere auch etwas ganz Neues versuchen möchte. Auf jeden Fall, überlass mir diese Gespräche. Ich denke, dass ich dir nächste Woche mehr erzählen kann.“ –„Aber Albert, was soll ich denn bis dahin machen?“ List überlegte kurz. „Was bei mir immer hilft, um Energie zu gewinnen und den Kopf frei zu bekommen: Gartenarbeit. Mit dem Spaten ein Stück Land umgraben. Danach fühle ich mich wie neugeboren… Aber das ist so bei mir“, fügte er hinzu, als er Kops‘ entgeisterte Miene sah, „bei dir ist es vielleicht etwas ganz anderes.

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