(156) Der Typ von der Werbeagentur öffnete die Tür zu Olaf Seidels Garderobe und steckte den Kopf herein.

von Alain Fux

Der Typ von der Werbeagentur öffnete die Tür zu Olaf Seidels Garderobe und steckte den Kopf herein. „Die beiden Stormtrooper sind noch nicht da, wir warten noch zehn Minuten. Alles ok sonst?“ Olaf nickte und schaute wieder in das Drehbuch für ‚St. Marks‘, eine neue Vorabendserie, bei der er eine Chance auf eine Rolle hatte. Seidel war bisher nicht sonderlich erfolgreich gewesen als Schauspieler. Sonst würde er auch nicht hier in dieser Shopping Mall sitzen und auf seinen Auftritt als Darth Vader warten. Er hatte das Kostüm bereits vollständig angelegt, nur der zweiteilige Helm mit dem Stimmverzerrer lag noch auf dem Tisch. Zumindest war es ein Job, mit dem er seine Miete zahlen konnte.

Seidel war sich nicht schlüssig, ob er eine Rolle in einer Fernsehserie annehmen sollte. Finanziell würde es ihn absichern. Zumindest, wenn die Serie ein Erfolg werden würde. Andererseits behinderte es auch andere Möglichkeiten und presste ihn eventuell zu sehr in eine Schablone. Man wollte, dass er einen Sheriff spielte.

Er blätterte zu der Rollenübersicht zurück. Sheriff Leland Phelps aus St. Marks, einem etwas verpennten Nest irgendwo im Mittleren Westen der USA. Große Kriminalfälle oder Gewalt waren nicht zu erwarten. Er sollte mehr der Freund und Helfer sein. Jemand zu dem die Leute kamen, damit er nachbarschaftliche Streitigkeiten schlichtete. Manchmal auch das Bindeglied zwischen den normalen Bürgern und dem reichsten Mann am Ort, einem Millionär namens Pozzo, der glaubte, dass alle nach seiner Pfeife tanzen sollten. Aber wie gesagt, alles ganz freundlich und locker, tauglich für ein gemischtes Vorabendpublikum.

Die Tür der Garderobe öffnete sich wieder und der Werbetyp kam rein. „Wir müssen umdisponieren, die beiden Stormtrooper hatten einen Unfall. Sie wollten besonders witzig sein und setzten auf der Fahrt die Helme auf. Den Sattelschlepper haben sie dabei wohl übersehen. „Oh“, sagte Olaf Seidel. „Die Macht war wohl nicht mit ihnen.“ – „Nein, beide sind tot. Wollen Sie trotzdem den Auftritt machen?“ – „Klar“, sagte Seidel. „Sonst sterbe ich auch noch, und zwar vor Hunger.“

Er stand auf und mit Hilfe des Werbetyps legte er zuerst das Unterteil des Helms an. Er testete den Stimmverzerrer und atmete heftig in das Mikrofon. „Passt.“ Als das Unterteil an seinem Kopf befestigt war, setzte er sich das Oberteil darauf und schaute sich in den Spiegel. „Ich bin dein Vater.“ – „Jetzt wo Sie es sagen…“, entgegnete der Werbetyp. „Aber jetzt mal los, die dunkle Seite der Macht wartet nicht gerne.“

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