(155) Sheriff Leland Phelps war froh, endlich wieder einen richtigen Polizeiauftrag zu bekommen.

von Alain Fux

Sheriff Leland Phelps war froh, endlich wieder einen richtigen Polizeiauftrag zu bekommen. Es war natürlich vorteilhaft, wenn es wenig Kriminalität gab. Aber ganz ohne wollte er auch nicht sein. Manchmal hatte er den Eindruck, als ob er nur als Vorortpolizist in einer Vorortserie spielen würde. Sein bis dahin wichtigster Termin des Tages war eine Art PR-Sache gewesen. Die amtierende Miss Cotton, eine junge Frau mit dem Namen Rhonda Miller, war zu ihm ins Büro gekommen. Sie kam in Begleitung eines schwatzmäuligen Agenten und einer Meute von Fotografen und Journalisten.

Das Ganze war natürlich die Idee des Agenten gewesen. Phelps bereute es sehr bald, dass er überhaupt zugesagt hatte. Ob es seiner Wiederwahl helfen würde, müsste man noch sehen. Er hatte Miller die einzige Gefängniszelle gezeigt und die Fotografen bestanden darauf, Fotos von ihr hinter Gittern zu schießen. Dann zeigte er ihr ein Gewehr und auch hier gab es Aufnahmen in den abstrusesten Positionen.

Er hatte schon Feierabend, als der Anruf kam. Ein Anwohner hatte verdächtiges Licht in einem Wochenendhaus an der Stadtgrenze gesehen. Phelps schnallte sich den Pistolengurt um und fuhr los. Einige Meter vor der Einfahrt zu dem Wochenendhaus hielt er an und ging zu Fuß weiter.

Das Tor zur Straße hin war zwar geschlossen, aber die Kette, die es sichern sollte, hing lose am Pfosten. Phelps zog seine SIG Sauer P229. Er schob die Pforte nur so weit wie nötig zur Seite. Im Wochenendhaus brannte tatsächlich Licht. Er sah es, als er sich näherte. Die Tür war offen, ein Fensterladen schwankte im Wind. Er konnte im Innern nichts erkennen. Er schlich einmal um das Haus herum, die anderen Fensterläden waren allerdings geschlossen.

Vorsichtig stieg er die Treppe auf die Veranda hoch. Eine knarrende Stufe ließ ihn kurz verharren. Nichts geschah. Das Haus schien leer. Mit der Pistole im Anschlag ging er hinein und suchte nacheinander alle Räume ab – es war kein Mensch im Haus. Auf dem Tisch im vorderen Raum stand eine leere Flasche Jack Daniel’s Nr. 7, daneben eine Baseballmütze mit der Aufschrift ‚GOOD Trucking‘ sowie eine Peitsche, deren Stränge aufgefasert waren. Auf dem Boden stand eine weitere leere Flasche Whisky in einem schmutzigen Sportschuh.

Phelps griff nach seinem Funkgerät und rief die Bereitschaft. „Hier ist Sheriff Phelps. Bin im Wochenendhaus von Herrn Pozzo. Es hat ein Einbruch stattgefunden. Es waren wahrscheinlich Landstreicher. Nichts gestohlen, zumindest sieht es nicht danach aus. Keine Zerstörung außer der aufgebrochenen Tür. Ihr informiert ihn, damit er die Tür reparieren kann. Das war’s dann für heute. Ich fahre jetzt nach Hause. Clear.“

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