(154) Nachdem sie das Wochenendhaus aufgebrochen hatten, setzte Bob sich erst mal hin…

von Alain Fux

Nachdem sie das Wochenendhaus aufgebrochen hatten, setzte Bob sich erst mal hin und versuchte, seinen Schuh auszuziehen. Jo schaute sich in allen Räumen um, dann kam er zurück in den Vorderraum. „Alles ok.“ Er legte das Gewehr auf den Tisch. „Komm wir gehen“, sagte Bob. Jo nahm seine Baseballmütze ab, schaute hinein, steckte die Hand hinein, schüttelte sie aus und setzte sie wieder auf. „Wir können nicht.“ – „Warum nicht?“ – „Wir warten, bis die Luft rein ist.“ – „Ach ja.“ Jo stellte die Papiertüte auf den Tisch und riss sie auf. Darin standen zwei Flaschen Jack Daniel’s Nr. 7 und am Boden waren einige Scheine und Münzen. „Es ist nicht viel“, stellte Jo fest, nachdem er das Geld gezählt hatte, „aber ich bin ganz zufrieden. Du musst eigentlich auch zufrieden sein.“ – „Womit zufrieden?“ – „Mit unserer Beute.“ – „Meinst Du?“ – „Sag es doch, wenn es auch nicht wahr ist.“ – „Was soll ich denn sagen?“ – „Sag: ich bin zufrieden.“ – „Ich bin zufrieden.“ – „Ich auch.“ – „Ich auch.“ – „Wir sind zufrieden.“ – „Wir sind zufrieden. Was sollen wir jetzt machen, wo wir zufrieden sind?“ – „Wir trinken einen Schluck.“ Jo nahm eine der beiden Flaschen, öffnete den Drehverschluss und trank daraus. Er stöhnte genussvoll und reichte die Flasche an Bob weiter, der die Öffnung der Flasche an seinem Ärmel rieb und dann ebenfalls daraus trank und genussvoll stöhnte. Bob stellte die Flasche wieder auf den Tisch. „Was machen wir jetzt?“ – „Dahinten gibt es einen Swimming Pool. Wir könnten uns baden.“ – „Ich kann meinen Schuh nicht ausziehen.“ – „Versuch es noch einmal.“ Bob zog mit größter Anstrengung an seinem Sneaker, der schließlich mit einem satten Plopp den Fuß verließ. „Gehen wir jetzt schwimmen?“, fragte Bob. Jo hatte wieder die Flasche ergriffen und trank daraus. „Es ist zu viel für einen allein. Aber, warum gerade jetzt den Mut aufgeben? Versuch, den Schuh wieder anzuziehen.“ – „Wie lange müssen wir hier warten?“, fragte Bob. „Das hängt davon ab. Manchmal dauert es länger. Manchmal geht es schneller. Meistens ist es anderes, als man erwartet.“ – „Woran werden wir merken, dass die Zeit gekommen ist?“ – „Wir werden es einfach wissen, wenn es soweit ist.“ Schweigen. „Ich glaub, für mich ist es soweit.“ – „Nein“, erwiderte Jo. „Es ist noch nicht soweit. Hier trink noch einen Schluck. Wenn es ein Morgen gibt, werden wir dann weitersehen.“ – „Sicher?“ – „Nein. Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll.“ – „Also? Wir gehen?“ – „Wir gehen?“

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