(149) OK, Herrschaften, lassen Sie uns den Einsatz von heute Abend besprechen.

von Alain Fux

„OK, Herrschaften, lassen Sie uns den Einsatz von heute Abend besprechen. Es geht los um 22 Uhr. Ziel ist der Supermarktparkplatz an der Nördlichen-Ringstraße. Von dort kommen immer wieder Klagen von Anwohnern wegen der sogenannten Dogger.“

Roland Kunz, der Einsatzleiter, stand vorne am Stadtplan und erläuterte die Vorgehensweise. Sein Spitzname war ‚Roboto‘ und das hing mit seiner monotonen Stimme zusammen. Oberhuber hatte sich in die letzte Reihe gesetzt, neben einen Betonpfeiler, der ihn halb verdeckte. Es bereitete ihm Schwierigkeiten, die Augen offen zu halten. Mit den vielen Schichtwechseln geriet sein Schlafrhythmus durcheinander und er war gerade an seinem toten Punkt. Außerdem hatte er sich noch nicht an die Anabolika-Präparate gewöhnt, mit denen er seinen Muskelaufbau begleitete.

Roboto fuhr fort und deutete dabei auf einen vergrößerten Kartenausschnitt: „Die Dogger treffen sich in dem hinteren Teil des Parkplatzes. Von dort sind sie nicht direkt von der Straße einsehbar. Bis zu 15 Autos wurden dort schon gesehen. Die meisten sind reine Spanner – Männer die alleine kommen. In einer Handvoll Autos befinden sich Paare, heterosexuell. Es gibt eine Signalsprache, mit der der Ablauf organisiert ist. Wenn ein Paar bereit ist und Zuschauer möchte, signalisieren sie das mit dem kurzen Einschalten der Wageninnenbeleuchtung. Dann treten die Spanner an den Wagen. Manchmal zeigt eine Frau eine Solo-Show, meistens ist es heterosexueller Sex mit dem Partner. Die Zuschauer stehen nebeneinander und befriedigen sich dabei. Wenn das Paar im Wagen Berührung wünscht, werden Fenster heruntergekurbelt. Manchmal werden auch Gaffer zum Mitmachen animiert. Es kam bereits zu richtigen Orgien mit einer Vielzahl von Teilnehmern. In der Regel sind die Leute friedlich. Manchmal kommt es zu Streit, weil einer der Gaffer sich ohne Einladung einmischt. Auch das verläuft in der Regel glimpflich. Waffen sind nicht zu erwarten, Handgreiflichkeiten nur im überschaubaren Maße. Unser Ziel heute Abend ist es, möglichst viele Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes mit heruntergelassenen Hosen zu erwischen und ihre Personalien festzustellen. Danach entscheiden wir, ob wir Anzeige erstatten oder nicht. Wir wollen, dass die Leute eingeschüchtert werden und diesen Ort nicht mehr für ihre Treffen nutzen. Ich zeige Ihnen jetzt, wie wir uns aufstellen und in welcher Reihenfolge wir eingreifen werden. Gibt es vorher Fragen?“

Einer der Kollegen meldete sich mit einer langatmigen Frage, bei der Oberhuber die Augen zufielen.

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