(143) „Rudi, es tut mir wirklich leid. Ich hätte dich verletzen können.“

von Alain Fux

„Rudi, es tut mir wirklich leid. Ich hätte dich verletzen können.“ – „Kein Thema, Sam, ich konnte mich rechtzeitig wegrollen. Ich hoffe, deine Bauchlandung hat nicht zu sehr geschmerzt.“

Nach der Performance waren Sam, Rudi und ihr Kollege Jaap van Landewyck zur Feier des Tages zum All-you-can-eat-Mongolen-Grill gezogen. Ihnen war zum Feiern zumute, denn der Veranstalter hatte sie nicht nur cash ausbezahlt, sondern auch noch eine Prämie draufgelegt. Der Typ liebte Schlammcatchen. Insbesondere hatte er ein Auge auf Jaap geworfen, aber dieser hatte bisher beständig alle Avancen zurückgewiesen.

„Was haben wir für nächste Woche geplant“, fragte Rudi. Sam organisierte die Truppe und fand Events, bei denen es sich lohnte, aufzutreten. „Momentan sind wir Donnerstag, Freitag und Samstag gebucht. Möglicherweise auch Montag, also: Freihalten, bitte.“ Am Buffet schnitten sie sich selbst Scheiben ab von den ausgelegten Fleischstücken. Sam legte noch etwas Alibi-Gemüse dazu. Dann gab er ihre Auswahl an den chinesischen Koch am Grill, der alles auf einer großen Stahlplatte über dem Feuer grillte. Sie standen am Tresen und warteten, bis das Fleisch gar war.

Jaap zog Sam zur Seite. „Sam? Ich möchte gerne nächste Woche frei nehmen, wenn es geht.“ Sam dachte nach. „Das geht, Jaap. Ich rotiere das Team ein wenig, das ist kein Problem. Irgendetwas Besonderes?“ – „Meine kleine Nichte feiert Geburtstag. Ich muss hinfahren, da ich auch der Pate bin.“ – „Na, das ist doch klar. Brauchst Du einen Vorschuss?“ – „Nein, Sam. Vielen Dank. Das passt schon. Ich habe ja mein Sparbuch.“ Das Fleisch war gar und der Koch gab ihnen die gefüllten Teller zurück. „Danke, Ming“, sagte Sam und der Koch deutete eine Verbeugung an.

Sie aßen schweigend. Als sie fertig waren, spendierte Sam eine Runde Bier. Nach dem ersten Schluck lehnte sich Rudi zurück und sagte: „Sam, ich habe gestern einen Dokumentarfilm gesehen. Dabei ging es um Catchen, aber nicht nur im Schlamm. Ich wollte Euch noch anrufen, aber der Film lief schon länger, als ich einschaltete. Wir sollten uns mal überlegen, ob das etwas für uns ist. Hört mal zu: Die zeigten einen Match in einem Becken mit toten Fischen und einen anderen in einem Becken mit Götterspeise, wisst Ihr, das ist dieses Wackelpuddingzeug…“ – „Mensch Rudi! Was schaust Du Dir denn für Sachen an. Das war ja bestimmt nicht jugendfrei. Nee, das ist nichts für uns. Willst Du Dir einen toten Fisch aus der Poritze puhlen? Ich nicht. Wir bleiben beim Schlamm. Nicht wahr, Jaap?“ Jaap nickte. „Aber, wie wäre es mit Frauen?“ – „Jaap, ich bitte dich!“ Sam war ganz entsetzt. „Kaum retten wir dich vor dem Lustmolch vorhin und schon geht bei dir die Fantasie durch. Nein, nein, nein. Mein Ring bleibt jugendfrei und es bleibt beim Schlamm.“

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