(137) Arnim Walker war dem Goldschatz der Nazis auf die Schliche gekommen.

von Alain Fux

Arnim Walker war dem Goldschatz der Nazis auf die Schliche gekommen. Es hatte mit einem Buch über den Zweiten Weltkrieg begonnen. Darin war beschrieben, welche Unmengen an Gold die Nazis bei ihren Feldzügen und Plünderungen erbeutet hatten. Das Buch enthielt auch eine Aufstellung, wie viel davon nach dem Krieg gefunden wurde. Dazwischen klaffte eine riesige Differenz. Das hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

Walker las alles, was er über diese Zeit finden konnte. Er beschäftigte sich mit dem Toplitzsee und dem Stolpsee. Er studierte Geschichten von Schatzsuchern und ihren Bemühungen, das Gold zu finden. Bisher waren alle erfolglos geblieben. Walker überlegte sich, was er an Stelle der Nazis gemacht hätte, als die Russen und die Amerikaner kamen. Dann hatte er die Erleuchtung.

Als die Reichsbank im Februar 1945 ihre Goldvorräte nach Merkers (Thüringen) in das Salzbergwerk transportierte war das ein großer Aufwand. Eine solche Unternehmung riskierte man nicht ein zweites Mal für den ungemein größeren Teil des Nazischatzes. Nachdem sie auf das Bergwerk aufmerksam gemacht worden waren, war es für die Amerikaner der 3. Armee, ein Leichtes gewesen, den Schatz innerhalb der Stollengänge zu finden. Er war sogar hinter einer Tresortür versteckt, so als ob man zeigen wollte: „Hallo, hier ist etwas sehr Wertvolles versteckt!“

Die Sache war für Walker klar: an dem entdeckten Fundort war nur ein Teil des Schatzes gewesen. Man hatte die Aufmerksamkeit so sehr darauf gelenkt, dass das gesamte Bergwerk nur unvollständig erkundet wurde. Das ergab Sinn.

Walker beschäftigte sich mit Merkers. Zusammen mit verbundenen Bergwerken ergaben die erschlossenen Stollen eine Fläche, die der Stadt München entsprach. Auf einem Plan sah er, dass es mehr Stollen und Nebenstollen zu geben schien, als es Straßen in München gab. Es war ein richtiges Labyrinth. Es wäre sehr leicht, darin einen unermesslich großen Goldschatz unter Schutt zu verstecken.

Zu diesem Zeitpunkt war seine Leidenschaft voll entflammt. Er ermittelte weiter. Wie würde man das Versteck dokumentieren? Es einfach auf einen Zettel zu schreiben – das wäre zu unvorsichtig. Ein Zettel konnte gefunden werden, der Träger würde gefoltert werden, um die Wahrheit dahinter heraus zu bekommen. Am Sinnvollsten schien ihm ein Informationsspeicher, der quasi öffentlich verfügbar war und den man deshalb nicht zu verstecken brauchte. Er las sich tiefer ein in die Geschichte und Gepflogenheiten der Deutschen Reichsbank.

Dann hatte er eine weitere Erleuchtung. Die erste Inspiration war, dass die Reichsbank mit Hollerith-Lochkarten arbeitete. Damit konnte man praktisch mit einer Schablone bestimmte Punkte markieren. Das führte ihn zu der eigentlichen Erkenntnis: Die Reichsbank druckte Banknoten. Darauf waren komplizierte Guillochen gedruckt. Für den Graveur wäre es sehr leicht, an entscheidenden Stellen kleine Fehler in das Guilloche-Muster einzubauen und damit bestimmte Punkte zu markieren. Man müsste diese auf eine Lochkarte übertragen, auf den Plan von Merkers legen und entsprechend ausrichten. An einem der Punkte würde der größte Teil des Goldhortes sein. In der Bibliothek fand Walker den Rosenberg Katalog, der die deutschen Banknoten ab 1871 aufführte.

Zwischen der Einlagerung des Goldes und dem Ende des Krieges war nur ein Motiv gedruckt worden, die ‚Schörner Scheine‘ und zwar in den Ausführungen zu zehn, 50 und 100 Reichsmark. Walker hatte Aufnahmen von allen drei Ausführungen in Sammlerzeitschriften gefunden und aus der Bibliothek gestohlen. Mit der Lupe versuchte er die Muster nachzuvollziehen, aber die Auflösung der Fotoaufnahmen war nicht ausreichend.

Advertisements