(132) Wendel stieg aus und warf dem Valet den Schlüssel seines 997 zu.

von Alain Fux

Wendel stieg aus und warf dem Valet den Schlüssel seines 997 zu. Antoine hatte ihn schon gesehen und hielt ihm die Tür des Restaurants auf. „Willkommen im Restaurant Rudelsburg, Monsieur Wendel“. Wendel winkte kurz. Kati war schon hinter ihm, er ging hinein. Antoine eilte voraus und führte sie an ihren Tisch. Auf dem Weg dorthin musste Wendel noch ein paar Hände schütteln und Schultern klopfen. Innerlich hatten ihn die drei Stunden Freischütz ausgehöhlt vor Langeweile. Katis Meinung zu erfragen, konnte er sich sparen. Antoine brachte ungefragt eine Flasche Pinot Grigio, den Wendel kostete und für gut befand.

Auch als der Unternehmer bereits an seinem angestammten Platz saß, musste er noch hier und da mit Handzeichen zurück grüßen. Das ganze Restaurant schien gefüllt mit Leuten, die ihm einen Gefallen schuldeten oder er ihnen. Er schaute Kati von der Seite an, während sie trank. Sie war immer noch sauer auf ihn. Auf der Hinfahrt in die Oper hatte er sie gebeten, still zu sein, er müsse denken. Vorher hatte sie in einem fort belangloses Zeug geredet. Normalerweise konnte er das ausblenden und an den entscheidenden Stellen ein Wort oder ein Brummen einwerfen. Aber vorhin war er einfach zu tief in Gedanken gewesen. Es musste einen Weg geben, diesen Mende in den Griff zu bekommen. Sein Verhalten artete in eine wahre Vendetta aus. Gute Freunde hatten ihm gesagt, dass Mende anders sei. Nicht käuflich.

Antoine kam an den Tisch und betete mit vielen Ausschmückungen das Menü herunter. Wendel wollte Austern und dann ein Filetsteak, dem man die heiße Pfanne nur einmal gezeigt hatte. Kati bestellte irgendetwas, das ihre Figur und damit ihr Auskommen nicht gefährdete. Antoine brachte die Austern. Es waren britische Colchester, Wendel war ganz angetan. Wie immer hatte Antoine noch eine siebte Auster gratis hinzugetan. Das freute Wendel jedes Mal. Er öffnete die Austern immer selbst, denn er war kein Managerfuzzi, sondern hatte sein Vermögen vor allem mit den Händen erwirtschaftet. Bei der siebten Auster rutschte ihm das Messer ab und er verletzte sich leicht an der scharfen Kante. Dann kam das Steak, dazu ein feiner Bordeaux. Das Fleisch war exzellent, nur Wendels Lippen fingen an zu brennen. Ein paar Bissen später war es, als ob sein Gesicht brannte und er bekam keine Luft. Er geriet in Panik. Seine Stimme versagte und er übergab sich quer über den Tisch.

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