(123) Ethan war nicht zum ersten Mal im Baumarkt.

von Alain Fux

Ethan war nicht zum ersten Mal im Baumarkt. Das letzte Mal hatten er und seine Mutter eine Farbe ausgesucht, mit der sie den Flur strichen. Er folgte den Schildern zum Gartenbedarf. Dort gab es eine ganze Regalreihe mit Schachteln, Flaschen und Sprühdosen in gelb, rot und grün. Er ging an den Düngemitteln vorbei. Dann kamen die Mittel gegen Schnecken, Milben und Läuse.

Schließlich stand er vor den Unkrautvernichtern. Es gab eine große Auswahl. Die flüssigen Mittel schloss er aus, das war schwieriger zu handhaben. Er nahm eine Schachtel mit dem Markennamen ‚Totalvernichter‘ in die Hand. Auf einer anderen Packung stand ‚Ultrakiller‘. Daneben sah das ‚Unkrautfrei‘ fast friedlich aus. Er entschied sich für den Totalvernichter, der auch den Vorteil hatte, günstiger zu sein.

Ethan stellte die Fünf-Kilo-Schachtel in den Einkaufswagen. Niemand kümmerte sich um ihn. Jetzt brauchte er noch etwas zur Ablenkung. Er hatte sich überlegt, eine Rolle Raufasertapete zu kaufen. Die war groß, billig und er konnte das Papier verwenden, um seine Bomben darin einzupacken. Sogar hier gab es eine große Auswahl. Er nahm die billigste Variante. Immerhin auch 25 Meter. Je näher er den Kassen kam, desto mehr klopfte sein Herz. ‚Mein Vater hat einen sehr großen Garten mit sehr viel Unkraut. Er kann nicht selbst kommen und hat mich geschickt.‘ Er sah sich die Kassiererinnen an. Die meisten waren etwa so alt wie seine Mutter. Ein Blick und sie hätten ihn entlarvt. So wie seine Mutter auch schnell gemerkt hatte, dass er von dem Baukasten enttäuscht war. Ihm wurde heiß auf der Stirn.

An Kasse 31 saß eine junge Frau. Hier wollte er es versuchen. Während sie den Kunden vor ihm abkassierte, legte Ethan den Totalvernichter auf das Band und gleich oben drauf die Tapetenrolle. Als das Band anruckte und wieder stoppte, rollte die Tapete runter und lag jetzt vor der Schachtel. Ethan ließ sie liegen. Die junge Frau trug ein Namensschild. Darauf stand ‚Felizia Schwarzmüller‘. Sie griff jetzt nach der Rolle, grüßte Ethan kurz, schaute ihn dabei an. Mechanisch führte sie die Rolle über den Scanner, wartete auf das Piepsen und legte sie nach links in die Warenausgabe. Als sie den Totalvernichter einscannte, ertönten drei Piepstöne. Sie schaute auf den Bildschirm neben ihr und dann auf Ethan, der sofort rot anlief.

„Wie alt sind… bist du?“, fragte sie ihn. „Dreizehn“, log er. „Ich muss mal den Marktleiter fragen. Tut mir leid“, sagte sie. Sie drückte eine Taste. „Wir müssen einen Augenblick warten“, fügte sie hinzu und starrte dann auf einen weit entfernten Punkt in der Reihe der Kassen. Ethan tat so, als ob er sich nach dem langen Stehen die Füße vertreten wollte. Dann rannte er so schnell er konnte in Richtung Ausgang.

Als der Marktleiter Herr Kreis bei Kasse 31 ankam, schaute Felizia immer noch in Richtung Ausgang. „Was ist los, Frau Schwarzmüller?“ Sie erklärte ihm den Vorfall. „Hat er etwas gestohlen?“ – „Das weiß ich nicht.“, sie zuckte mit den Schultern. Herr Kreis seufzte.

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