(122) Er hatte es geschafft. Schon von der Größe her sah das Paket aus wie ein C3000.

von Alain Fux

Er hatte es geschafft. Schon von der Größe her sah das Paket aus wie ein C3000. Hastig riss er das Geschenkpapier auf und hielt glücklich den Kasten mit dem aufgedruckten Laborbild in der Hand. Aber erst einmal musste er sich bei seiner Mutter bedanken. Sie umarmte ihn, küsste ihn auf beide Wangen und wünschte ihm alles Gute zum Geburtstag. Einen Arm legte er um ihre Schulter, mit dem anderen hielt er weiter den Karton. Dann gab es noch heiße Schokolade und ein Stück Kuchen, das bei der Arbeit übriggeblieben war. Schließlich aber merkte sie, wie sehr es ihn kribbelte und entließ ihn lächelnd in sein Zimmer. Dort konnte er endlich den Karton öffnen.

Es gab einen Einsatz, in dem durchsichtige Plastikflaschen mit einer roten Verschlusskappe eingelegt waren. Darunter waren verschiedene Geräte und Gefäße. Er probierte die Schutzbrille auf, beschaute sich die Glasgefäße und den Bunsenbrenner. Dann nahm er das Begleitbuch und schlug es auf. Es enthielt 360 Anleitungen für verschiedene Versuche. Schnell überflog er die Kapitelüberschriften. Was ist Chemie? – Geräte – Gase – Metalle – Wasser – Fette… Er suchte nach einem Begriff und fand ihn nicht. Auch nicht als er das Buch ein zweites Mal danach durchsuchte.

Ethan suchte nach einer Anleitung zur Herstellung von Sprengstoff. Bei seinen Schulkameraden hatte er angegeben, dass er schlau genug sei, kleine und auch große Bomben zu bauen. Sie hatten ihn ausgelacht und ihm gesagt, das sollte er erst einmal vorführen. Dann hatten sie ihn wieder als Streber gehänselt. Ethan hatte kein Interesse daran, Säuren von Laugen zu unterscheiden. Er wollte nicht feststellen, was in Wasser löslich sei und was nicht. Er hatte überhaupt kein Interesse an Chemie. Seine Prüfungen in dem Fach fielen nur deshalb so gut aus, weil er sich gerne Dinge merkte.

Mit der Sprengstoffsache saß er fest. Er musste etwas in die Luft jagen, um zu zeigen, was er drauf hatte. Der Chemiebaukasten war ein Flop. Leider hatte er das Anleitungsbuch nicht vorher lesen können. Jetzt hatte er ein schlechtes Gewissen, weil seine Mutter so viel Geld für ein nutzloses Geschenk ausgegeben hatte.

Vor ein paar Tagen hatte er einen Zeitungsartikel gelesen, über einen Unfall bei dem ein Junge eine Hand und ein Auge verloren hatte. Der Junge hatte versucht, Unkrautvernichter und Zucker in ein Metallrohr zu stopfen. Das Problem war wohl, dass es ein Metallrohr war. Zumindest wäre damit ein großer Effekt zu erzielen, dachte Ethan. Auch wenn es gefährlicher war. Leider hatte seine Mutter keinen Garten. Er würde sich also das Unkrautvernichtungsmittel selbst besorgen müssen.

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