(119) Beppo zappte von einem Kanal zum Nächsten.

von Alain Fux

Beppo zappte von einem Kanal zum Nächsten. Keiner davon sagte ihm zu, bis er zu einer Szene kam, die ihn den Finger vom ‚Up‘-Knopf nehmen ließ.

Der Bildschirm zeigte einen großen Raum, der aussah, wie man sich eine Gummizelle vorstellte. Die Wände waren mit einem weichen Material beschichtet, das an der Oberfläche wie Kunstleder schien. Es gab direkt in die Wand angebaut ein Sofa, ebenfalls aus einem weichen Stoff mit abgerundeten Ecken. Darauf saßen in Abständen von etwa einem Meter mehrere junge japanische Frauen in Badeanzügen. Beppo konnte ihr Alter nicht genau einschätzen.

Als er sich in das Programm einschaltete, saß ein Mann, der eine Frankenstein-Monstermaske und Monsterhandschuhe trug, zwischen zwei Frauen auf dem Sofa. Er war dabei die Frau zu seiner Linken in der Taille zu kitzeln. Sie schien sehr kitzlig zu sein, ihr Gesicht war vor Lachen verzerrt. Sie war schon halb vom Sofa gerutscht. Obwohl sie mit ihren Händen wie wild herumwedelte, schien sie sich nicht wirklich zu wehren.

Unten rechts auf dem Bildschirm zählte eine Uhr die Sekunden abwärts. Als die Anzeige bei null angelangt war, sprang sie gleich wieder auf 30 zurück. Gleichzeitig eilte der Monstermaskenträger eine Frau nach rechts weiter und setzte sich wieder. Die Kamera schwenkte mit. Als er saß, fing die Uhr wieder an zurück zu zählen und er griff sich wieder die Frau zu seiner Linken und fing an, sie zu kitzeln. Die Frau hätte eine Schwester der ersten Frau sein können. Alle Frauen ähnelten sich sehr. Als die Uhr bei null angelangt war: wieder das gleiche Wechselspiel.

Beppo war irgendwie fasziniert von dem Spektakel, das sich ihm bot. Er fragte sich, was der Sinn der Sendung war. Die Tonspur würde ihm wohl keine Antwort geben. Plötzlich merkte er, dass eine Viertelstunde um war. Das heißt er musste fast 30 Frauen gesehen haben, die gekitzelt worden waren. Entweder das Sofa in dem Studio war riesengroß oder die Kamera hatte einmal um 360 Grad geschwenkt und war schon längst wieder bei der ersten Frau angekommen. Es war ein Rätsel. Allerdings wollte er nicht, dass Anita ihn sah, wie er eine solche debile Sendung schaute. Deshalb zappte er zuerst wieder auf Position 1, bevor er den Ton ganz leise wieder anstellte. Eine Nachrichtensendung.

Beppo schubste Anita leicht an. Sie war gleich wieder wach. Ein Einspieler zeigte die Folgen von Studentenprotesten auf dem Bildschirm. „Mach mal lauter“, bat sie ihn. „Das sieht ja übel aus. Das wird sie bestimmt mehr beschäftigen, als unser kleiner Autounfall. Wir haben Glück.“

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