(118) Anita stellte den Motor ab und gab Beppo mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass er ihr folgen solle.

von Alain Fux

Anita stellte den Motor ab und gab Beppo mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass er ihr folgen solle. Sie öffnete die Tür der Holzhütte, über der das Schild ‚Empfang – Motel Post‘ hing.

Drinnen war es dunkel. Es roch nach muffigem Holz und Zigarettenrauch. Anita drückte auf die Rezeptionsklingel auf dem Empfangstresen. Daneben stand ein Schild ‚Johnny Neumann – Geschäftsführer‘.

„Anita!“ Beppo erschrak, als er die brüchige Stimme hörte. Aus dem Nichts kommend stand ein kleiner, dürrer Mann hinter ihnen. Er trug eine schwarze Sonnenbrille, die ihm viel zu groß schien. Im Mundwinkel hing eine selbstgedrehte Zigarette. Sein Schädel war auf der Stirn eingedellt, wie von einem Daumen. „Hallo Johnny. Das hier ist Beppo. Wir brauchen ein Zimmer für eine Nacht. Diskret.“ Johnny ging um den Tresen herum. Er griff mit der linken Hand in den Setzkasten an der Wand und nahm einen Schlüssel mit klobigem Holzanhänger heraus. Darauf stand ‚29‘. „Das ist für die Hochzeitsuite, unser diskretestes Zimmer.“

Als er die Zigarette aus dem Mund nahm, bemerkte Beppo, dass Johnny die rechte Hand fehlte. Der Arm endete über dem Handgelenk. Elle und Speiche hatten eine Spalte in der Mitte, in die Johnny seine Zigarette geklemmt hatte. „Alles klar, Sportsfreund“, fragte er Beppo, der ihn anstarrte. Beppo wandte sich ab. Johnny fuhr fort: „Es ist ganz hinten am Bachlauf und hat sogar eine Garage. Gleiches Schloss. Direkter Zugang vom Zimmer in die Garage.“ – „Danke Johnny. Das passt. Wir sind hier als Jochen und Johanna Müller. Ich komme nachher noch mal vorbei zum Telefonieren.“ – „Ich lauf nicht weg.“ Johnny klopfte mit seiner Hand ans Bein – es klang nach hohlem Plastik. Dabei keuchte er ein heiseres Lachen.

Als sie wieder im Wagen saßen, fragte Beppo: „Was ist denn mit Johny passiert?“ – „Johnny hat es nie einfach gehabt in seinem Leben“, antwortete Anita. „Ich habe ihm den Job besorgt, schon vor Jahren. Wir können uns voll auf ihn verlassen.“

Sie fuhren den Wagen in die Garage. Anita schaute sich um, stieg hinunter zu dem Bachlauf, der hinter der Nummer 29 floss. Als sie zurückkam nickte sie und schloss die Tür auf. Das Zimmer war in Ordnung. Beppo warf sich auf eins der beiden Betten und schaltete den Fernseher ein. Anita zog ihre Cowboystiefel aus und legte sich auf das andere Bett. „Kannst du den Ton abschalten und mich in zehn Minuten wecken.“ Sie puhlte das Kopfkissen unter der Decke heraus und drehte sich auf die Seite. Beppo drückte den ‚Mute‘-Knopf der Fernbedienung.

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