(117) Scheiße, Scheiße, Scheiße!

von Alain Fux

„Scheiße, scheiße, scheiße!“ – „Er hat geschossen!“ Anita gab Gas. „Du begehst Fahrerflucht!“ Beppo hielt sich an der Handschlaufe fest, als Anita mit hoher Geschwindigkeit in eine Nebenstraße einbog. „Schnauze“, zischte sie.

Beppo sah mit schreckgeweiteten Augen nach vorne. Anita steuerte den Wagen im Zick-Zack durch eine Reihe von weiteren Nebenstraßen. Dann erreichte sie eine Ausfallstraße, der sie Richtung Stadtauswärts folgte. „Warum hast du das getan?“ – „Was hätte ich denn sonst tun sollen. Der Typ war bewaffnet.“ – „Eben!“ – „Nichts eben. Räuber oder Gendarm. Beides wäre für uns nicht sonderlich gut. Willst Du dass eine Verkehrsstreife kommt und uns hilft, den Jeep aufzuräumen. Schon vergessen, was wir im Kofferraum transportieren?“ – „Ja, ist ja schon gut. Lass mich überlegen.“ – „Es gibt nichts zu überlegen. Wir müssen raus aus der Stadt.“ – „Wenn jemand das Kennzeichen notiert hat?“ – „Unwahrscheinlich, die Straße war leer. Autotyp vielleicht, Kennzeichen eher nicht.“ – „Du weißt es nicht!“ – „Jetzt mach dir nicht ins Hemd. Beppo! Lass mich mal machen.“

Beppo wandte sich ab und schaute angestrengt zum Seitenfenster hinaus. Sie fuhren schweigend weiter. Als Anita aus der Beschleunigungsspur auf die Autobahn preschte, fragte Beppo: „Was ist dein Plan?“ – „Wir müssen erst einmal Land gewinnen und dann weg von der Straße. Den Rest des Tages den Ball flach halten. Dann werden wir mal die Fühler ausstrecken und hören, ob man uns sucht und worum es geht. Vielleicht haben wir der Menschheit ja einen Gefallen getan. Der Typ sah nicht wie ein Bulle aus. Und dann organisieren wir die Übergabe für das Zeug im Kofferraum. Am besten ein Treffpunkt auf dem Land, im Wald. Was weiß ich.“ – „Vielleicht finden die das gar nicht gut und werden uns mit Betonschuhen versenken!“ Anita lachte. „Du schaust zu viele Krimis, Mann. Nee, die sind froh, dass wir den Scheißtransport übernehmen.“

Anita hatte Beppo nur dabei, weil er kräftig war und normalerweise tat, was sie ihm sagte. Wäre er intelligenter, gäbe es andere Probleme. Bei der Lektüre eines Artikels über Lebensmittellogistik, war ihr die Idee gekommen, eine Dienstleistung anzubieten zwischen Groß- und Einzelhandel im Drogensegment: aufteilen, verpacken, verteilen. Da sie als Konsumentin über gute Kontakte verfügte, war sie so zur Unternehmerin geworden. Wenn man Beppo berücksichtigte, sogar zur Arbeitgeberin. Wichtig war es jetzt, einen Reputationsschaden aufgrund des Autounfalls zu vermeiden. „Wir verbringen die Nacht in einem Motel“, informierte sie Beppo. „Ich kenne den Geschäftsführer.“

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