(115) Jake Sparks war der Kopf einer kriminellen Bande, die es schon seit Generationen gab.

von Alain Fux

Jake Sparks war der Kopf einer kriminellen Bande, die es schon seit Generationen gab. Mit ihm vollzog sich der Übergang von illegalen Geschäften in schmutzigen Hinterhöfen zu ehrbaren Transaktionen bei vollem Tageslicht.

Ein großer Teil des ungesetzlich erworbenen Vermögens konnte nun mithilfe von Online-Banking zwischen Briefkastenfirmen in Offshore-Finanzzentren reingewaschen und in den Kreislauf der offiziellen Volkswirtschaft eingebracht werden. Da bei diesen Geschäften Fäuste und Pistolen nicht die entscheidenden Waffen waren, brauchte Sparks die Unterstützung von versierten Personen. Er kaufte sich unter anderem Politiker. Einer davon war Bill Cramer.

Sparks hatte Cramer systematisch aufgebaut und ihn bei seinen Wahlkämpfen finanziert. Sparks hatte sozusagen auf Cramer gewettet und gewonnen, denn Cramer wurde zu einer der einflussreichsten Politiker der zweiten Reihe, der in vielen Ausschüssen Entscheidungen wesentlich beeinflussen konnte. Sparks und Cramer hielten ihre physischen Treffen auf ein Minimum begrenzt. Die meiste Zeit tauschten sie sich über abhörsichere Mobiltelefone mit nicht registrierten Rufnummern aus.

Der Tote in der Tiefgarage war ein Journalist, der schon lange Sparks auf der Spur war. Er hatte einen Tipp erhalten, dass ein Treffen mit einer hochstehenden Persönlichkeit anstand. Dass es sich dabei um Cramer handelte, wurde ihm erst bewusst, als er mit der Kamera im Anschlag auf dem Flachdach eines Bürohauses lag und mit einem Richtmikrophon versuchte, das Treffen zu überwachen. Das Mikrofon hatte versagt, aber er hatte mit dem Teleobjektiv mehrere gute Fotos schießen können von dem Treffen, das ihm gegenüber zwei Stockwerke tiefer stattfand. Als er Cramer sah, den Sparks wie einen guten Freund umarmte, war er verblüfft.

Dann entdeckten ihn Sparks Leute auf dem Dach und er musste fliehen. Im Treppenhaus erwischten sie ihn mit einer Kugel. Der Journalist konnte sich noch in die Tiefgarage schleppen. Dass eine Übergabe des Fotochips stattgefunden hatte, bemerkten Sparks‘ Leute erst, als sie die Bänder der Überwachungskameras untersuchten.

Sparks und Cramer waren sich einig, dass der Chip um jeden Preis gesichert werden musste und der Empfänger des Chips eliminiert. Als Cramer sich beschwerte, dass das Treffen nicht ausreichend abgesichert gewesen war, brauchte es nur eines Blickes von Sparks, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Ich kümmere mich darum. Wir haben jemand, der solche Fälle löst. Zurück zu unserem Thema: Wie wird die Regierung auf die neuen Sonderempfehlungen der OECD reagieren?“ – „Ganz einfach. Die Regierung wird sagen, dass unsere Gesetze gegen die Geldwäsche schärfer sind und daher die Sonderempfehlungen keine Auswirkungen bei uns haben werden.“ – „Gut, damit kann ich leben.“

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