(106) Tut mir leid, Elmar. Damit hatte ich nicht gerechnet.

von Alain Fux

„Tut mir leid, Elmar. Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Bertram ließ sich auf einen Stuhl plumpsen. Er hatte kurz überlegt, Daisy hinterher zu laufen, hatte sich dann aber dagegen entschieden. „Nicht schlimm, Bertram. Nicht alle Frauen sind fürs Swingen gemacht. Das hatte ich dir ja schon ganz am Anfang gesagt. Manche lieben es, viele hassen es. Manche gewöhnen sich daran, andere nicht.“

Bertram hatte Elmar über eine Kontaktanzeige kennen gelernt. Er hatte ihn ausgewählt, weil Elmar sich schriftlich gut ausdrückte und auf dem Foto gepflegt aussah. Als sie sich zum ersten Mal getroffen hatten, fand Bertram seine Erwartungen erfüllt. Er mochte Elmar auch als Mensch und fand es aufregend, durch ihn mit einer ihm bis dahin völlig unbekannten Welt in Kontakt zu kommen.

Elmar war Stammgast in einem Swinger Club, Traudel’s Swinger Paradies. „Es kommt immer wieder vor, dass Männer ihre Ehefrauen mitbringen, ohne ihnen vorher zu sagen, wo es hingeht. Das hat aus meiner Erfahrung noch nie funktioniert. Du musst mit den Frauen immer ehrlich sein, ihnen sagen, was du denkst und was du von ihnen haben willst.“ Bertram nickte zustimmend. „Aber du musst ihnen auch etwas geben, womit sie sich gut fühlen. Ich will dich nicht kritisieren, aber ich kann es gut verstehen, dass Daisy weggelaufen ist. Es war zuviel für sie.“ Bertram senkte den Kopf. „Wenn Frauen emotional instabil werden, dann hat keiner etwas davon.“

Elmar erzählte Bertram von einer Episode bei Traudel. Ein Stammbesucher, „nennen wir ihn Udo“, hatte ein schlechtes Gewissen, weil er sich immer alleine dort vergnügte. Er wollte das ändern und lud deshalb seine Frau, „nennen wir sie Roswitha“, in den Club ein. Er sagte nur, dass es sehr gesellig werden würde, vergaß aber zu erwähnen, dass das gesellige Beisammensein Nacktheit erforderte und mit gegenseitigen Geschlechtsakten kombiniert war.

Udo brachte also Roswitha mit und kam recht früh, bevor die Hüllen gefallen waren. Zuerst war es ganz nett und Roswitha empfand die anderen Menschen offen und herzlich.

Die Eskalation begann in drei Schritten: a) eine Frau legte Udo ihre Hand auf den Schritt; b) eine andere Besucherin setzte sich auf dem Barhocker so hin, dass Roswitha sah, dass sie keine Unterhose trug und c) Traudel fragte sie, ob sie nur zuschauen oder auch mitmachen wollte.

Als alle anderen Anwesenden nackt waren, bekam Roswitha einen Schreikrampf und lief aus dem Haus. Udo sagte nur, „sie geht nach Hause oder kommt zurück“. Sie kam auch zurück, allerdings in Begleitung einer Polizeistreife, der sie etwas von Sodomie und Frauenhandel erzählt hatte. Den Beamten war die Kontrolle peinlicher als den Anwesenden, aber sie mussten ihre Aufgabe erfüllen. Alle Anwesenden mussten sich ausweisen und angeben, dass sie freiwillig da waren. Am Ende fuhr Udo mit seiner Frau nach Hause. Seitdem hatte Elmar ihn nicht mehr gesehen.

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