(105) Als Bertram ihr sagte, sie solle sich diesen speziellen Samstag frei halten…

von Alain Fux

Als Bertram ihr sagte, sie solle sich diesen speziellen Samstag frei halten, hatte sie nach dem Grund gefragt. Er hatte geschmunzelt und skandiert: „Ü-ber-ra-schung!“

Sie musste nachmittags die Wohnung verlassen und durfte auf keinen Fall vor 20 Uhr zurück sein. Das alles war sehr ungewöhnlich für Bertram, aber sie ahnte schon, dass es etwas mit ihrer Phantasie zu tun hatte. Sie war aufgeregt und gespannt, wie Bertram ihre Vorstellungen umgesetzt hatte.

Den Nachmittag verbummelte sie in der Stadt, hatte aber in Anbetracht der noch kommenden Ereignisse weiche Knie. Kurz nach acht Uhr klingelte sie an ihrer eigenen Wohnungstür. Bertram öffnete die Tür und trug einen Smoking. Er sah sehr elegant darin aus. Er wiederum genoss ihre Bewunderung. „Komm rein. Es ist alles fertig. Du musst zuerst in das Schlafzimmer gehen und Dich umziehen. Es liegt alles bereit.“ Es roch nach feinem Essen. Sie tippte darauf, dass Bertram Essen hatte liefern lassen, denn er selbst konnte sich nicht einmal Rührei zubereiten.

Sie ging ins Schlafzimmer. An der Kleiderstange am Schrank hing ein Abendkleid in Gelb-Orange, ihrer Lieblingsfarbe. Sie fühlte den Stoff und nahm an, dass es Seide war. Schnell schlüpfte sie in das Kleid. Es passte. Bertram musste eines ihrer Kleider genommen haben, um die richtige Größe zu finden. Er hatte sich so viel Mühe gegeben. Sie war erregt und gleichzeitig auch bewegt. Sie schminkte sich passend zu ihrem Kleid und legte Parfüm auf. Dann öffnete sie die Tür. „Bertram! Kann ich rauskommen?“ Bertram kam aus dem Wohnzimmer. Sie sah umwerfend aus und er sagte es ihr. Sie strahlte ihn an. Es würde ein toller, unvergesslicher Abend werden. Er nahm sie an der Hand und führte sie ins Wohnzimmer.

Er hatte umdekoriert, so wie sie es sich erträumt hatte, bis auf das Kaminfeuer natürlich. Ein sehr festlich gedeckter Tisch, Kerzenschein, gedämpfte Musik. Daisy machte einen sehr zufriedenen Eindruck, bis sie Elmar sah, der einen Smoking trug und lässig am Bücherregal lehnte.

„Darf ich Dir Elmar Hofeldt vorstellen, meine Liebe. Elmar, meine Frau Daisy.“ Elmar ergriff Daisys Hand und pflanzte einen Kuss darauf. „Sehr erfreut, Daisy. Sie sehen wunderschön aus. Ich bin überwältigt.“ Daisy war verwirrt. „Sie sind der Kellner…?“ – „Nein, meine Liebe“, unterbrach sie Bertram, „den Part übernehme ich. Elmar ist der Mann des Abends.“

Daisy brauchte einen Augenblick, bis sie die Konstellation verstand, die Bertram sich ausgedacht hatte. Dann lief sie zurück in ihr Schlafzimmer und ließ die beiden Herren im Smoking im romantischen Kerzenschein stehen. Die Tür hatte sie abgeschlossen und sie reagierte nicht auf Bertrams Bitten. Irgendwann später schloss sie auf und als Bertram in den Flur trat, war sie schon an der Haustür und schlüpfte hinaus. „Egoistisches Aschloch“, waren ihre einzigen Worte, dann knallte sie die Tür hinter sich zu.

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