(104) Ich stelle mir ein großes Zimmer vor.

von Alain Fux

„Ich stelle mir ein großes Zimmer vor. Gedämpftes Licht, vielleicht ein flackernder Kamin. Mittendrin ein feierlich gedeckter Tisch. Für zwei. Kerzenschein. Wir sitzen am Tisch und tragen beide schicke Abendgarderobe. Du sitzt vor mir im Smoking mit schwarzer Fliege. Die Speisen werden immer von Bediensteten gebracht, die man aber selbst nie sieht. Wir trinken Champagner aus Kristallgläsern, die so schön tönen, wenn man mit ihnen anstößt.

Dann kommt der erste Gang. Es sind Ziegenkäse-Ravioli mit feinstem Trüffelöl beträufelt. Die Ravioli zergehen einem im Mund und der Käse hat einen Geschmack, der nicht von dieser Welt ist. Während ich sie esse, stelle ich mir vor, wie ich nackt vor dir liege und du mit einem ölgetränkten Ravioli über meine Brust fährst. Du lässt es umher kreisen, so dass meine Brust ganz glänzend aussieht. Mit der geränderten Bordüre des Ravioli fährst du wie mit einem Zahnrad um meinen Nippel herum. Dann steckst du mir den Ravioli in den Mund und leckst das Trüffelöl von meiner Brust. Du trinkst einen Schluck Champagner, behältst ihn im Mund und saugst damit an meiner Brust, so dass ich das kalte Prickeln des Champagners verspüre.

Dann kommt, wieder wie von Geisterhand, der Hauptgang. Es gibt Saltimbocca mit Parmaschinken und Salbeiblättern. Wir sind schon so aufgewühlt, dass wir unser Essen gar nicht mehr von den Tellern essen wollen. Weil wir uns schon so intensiv geküsst haben, ist das Fleisch schon etwas abgekühlt und du legst mir mit deinen Fingern die dünnen Kalbsschnitzel auf die Oberschenkel. Du beißt Stücke von dem Fleisch ab und ich spüre, wie du einem Raubtier gleich an dem Fleisch reißt. Zwischen zwei Bissen des Fleisches verwöhnst du mich mit der Zunge oder fütterst mich. Wenn du fertig bist, bin ich von dem reichen Bratenfonds ganz glitschig und du fällst komplett über mich her. Wir rollen uns nackt auf dem Teppichboden und lieben uns wie die Tiere.

Und dann kommt das Dessert. Es ist ein Kuchen, der innen eine Füllung von noch flüssiger Schokolade hat. Du stopfst mir Stücke davon in den Mund, dass mir die warme Schokolade an den Wangen herunter läuft. Mit der anderen Hand bringst du mich noch einmal zum Höhepunkt inmitten eines Esszimmers, das wie nach einer Schlacht aussieht. So in etwa sieht meine Phantasie aus. Wie wäre das für dich?“

Bertram hatte ihr sehr konzentriert zugehört, dabei streckenweise vor Aufregung den Atem angehalten. Als sie geendet hatte, meinte er strahlend: „Das ist wunderbares Material. Ich hatte ja keine Ahnung. Ja, damit kann ich etwas anfangen. Liebes, ich sehe dich mit ganz anderen Augen. Ich bin froh, dass du mir davon erzählt hast.“

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