(89) Danke für den Tee, Frau Bast.

von Alain Fux

„Danke für den Tee, Frau Bast.“ Gabi Johns hob die Tasse an ihre Lippen. „Wofür hat man Nachbarn, Frau Johns. Sie sind sehr tapfer.“

Im Nebenzimmer waren zwei Polizisten in Zivil dabei, die Spuren zu sichern. Der Kommissar hatte gesagt, dass dies die Vorschriften in solchen Fällen seien. Frau Johns hatte ihren Mann gefunden, als sie von ihrer Arbeit als Bibliothekarin zurückkam. Er hatte sich mit einer Pistole in den Kopf geschossen. Dabei hatte sie nicht einmal gewusst, dass ihr Mann eine Waffe besaß. Der Kommissar hatte genickt und gesagt, man werde mehr über die Pistole herausfinden.

Nachdem sie Gerhard gefunden hatte, war sie als erstes zu Frau Bast gegangen. Die beiden Frauen kannten sich eigentlich nur flüchtig, aber Frau Bast hatte gleich alles in die Hand genommen und die Polizei gerufen. Sie hatte auch den Brief gefunden, den die Polizei an sich genommen hatte. Frau Johns hatte ihn mehrmals lesen können, bis die Polizei kam. Er war sehr kurz gewesen. ‚Meine liebste Gabi, es tut mir leid. Es hat nichts mit Dir zu tun. Ich liebe Dich. Ich bin unheilbar krank und habe Angst. Lebe Dein Leben weiter. Adieu, Gerhard.‘ Sie hatte nicht gewusst, dass Gerhard krank war. Er hatte sich vor zwei Monaten verändert, war sprunghaft gewesen und redete weniger. Aber das war nicht das erste Mal.

Sein Leben als Handelsvertreter war nicht einfach. Er war ständig auf der Reise gewesen, dabei viel allein und immer wieder der Ablehnung seiner Kunden schutzlos ausgeliefert. Außerdem rauchte er zu viel. Der Kommissar hatte gemeint, dass auf jeden Fall eine Obduktion stattfinden würde und man dabei herausfinden würde, ob Gerhard Johns krank war.

„Ich dachte ihn zu kennen. Gerhard und ich sind jetzt seit dreiunddreißig Jahren ein Paar, aber das scheint nicht ausreichend zu sein, um jemand wirklich zu kennen. Ich erinnere mich an die Hochzeit, als sei es gestern gewesen. Er hatte bei einer Ruderpartie um meine Hand angehalten. Ganz romantisch. Ich hatte sofort zugesagt. Ich war die erste meiner Freundinnen, die heiratete. Alle waren neidisch auf mich. Und ich war so stolz. Gerhard sah so hübsch aus. Er hatte volle glänzende Haare und eine tolle glatte Haut. Sie fühlte sich immer so seidig an.“ Sie stockte und ihre Gesichtszüge verzerrten sich. Sie fing an zu schluchzen. „Gerhard, wie konntest Du mir das antun? Warum hast Du Dir ins Gesicht geschossen?“ Frau Bast hielt ihr ein weiteres Papiertaschentuch hin.

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