(84) Arnold Leonhard Prager befand sich im dritten Semester seines Maschinenbaustudiums…

von Alain Fux

Arnold Leonhard Prager befand sich im dritten Semester seines Maschinenbaustudiums, als bei seinem Vater, Leonhard Maximilian Prager, Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium (T4) diagnostiziert wurde. Arnold besuchte seinen Vater oft an den Wochenenden.

Nach drei Monaten verstarb Leonhard Prager. Die geringe verbleibende Lebensdauer seines Vaters war Arnold von Beginn an bekannt gewesen. Sein Vater hatte es ihm gleich nach der Diagnose mitgeteilt und ihn gebeten, seine eigenen Lebensziele unbeirrt zu verfolgen. Trotzdem warf ihn der Tod seines Vaters aus der Bahn. Nach einer Trauerzeit von drei Wochen eröffnete Arnold seiner Mutter, dass er eine Auszeit bei seinem Studium nehmen wollte. Er meldete sich als Volontär zur Arbeit in Sarid, einem Kibbuz in der Jesreelebene südöstlich von Nazareth und reiste am nächsten Tag dorthin.

Er arbeitete hart in den Grapefruitplantagen und versuchte sein vorheriges Leben für einige Zeit zu vergessen. Bei einem Erntefest lernte er Katharina Klee kennen. Die beiden verliebten sich und beschlossen zu heiraten. Katharina nahm ihn mit zu ihrer Familie, die ihn erst nach Zögern akzeptierte.

Die Klees hatten seit der Gründung eines Chemiewerks Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Vermögen angesammelt. In einem Kompromiss einigte man sich darauf, dass Katharina Arnold zwar heiraten durfte, aber ein Ehevertrag regelte, dass Arnold kein Anrecht auf Teile des Klee-Vermögens hatte. Arnold nahm sein Studium nicht wieder auf. Um den Schein zu wahren, gab man ihm einen kleinen Direktorenposten, den er sobald wie möglich wieder aufgab. Seine Mutter besuchte er ab und zu, schickte ihr Geld – aber der Kontakt blieb abgekühlt bis zu ihrem Tod.

Katharina war sehr an Reisen interessiert und Arnold begleitete sie dabei. Als seine Mutter starb, saß er am Great Barrier Reef an Deck einer Motoryacht, während Katharina zu dem Korallenriff hinunter getaucht war. Je älter sie wurden, desto mehr erschien er wie ihr Bediensteter. Ihr war das nicht unrecht.

Zwischendurch hatte Katharina, auf Drängen ihrer Familie, ein Kind (Leonora Marie) auf die Welt gesetzt, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Arnold fühlte sich in der Pflicht gegenüber Leonora, konnte aber nur wenig Zeit mir ihr verbringen, da er fast durchgehend mit Katharina unterwegs war.

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