(81) Noch bevor sie Marcos Brief öffnete, wusste Viktoria Gellenberg, dass er mit ihr Schluss machte.

von Alain Fux

Noch bevor sie Marcos Brief öffnete, wusste Viktoria Gellenberg, dass er mit ihr Schluss machte. „Ich liebe Dich, aber es ist einfach zu kompliziert mit Dir. Es sind viele Kleinigkeiten, die alle für sich genommen, nicht wichtig sind. Aber in Summe sind sie für mich sehr verstörend. Ich glaube, Du brauchst Hilfe. Das hatte ich auch schon gesagt, aber Du hast nicht darüber reden wollen. Insbesondere bei sexuellen Dingen komme ich mir sehr verloren vor. Dass Du es nicht mit dem Mund machen möchtest, kann ich akzeptieren. Dass Du mich nicht berühren möchtest, ist schwierig. Gar nicht verstehen kann ich es, dass Du mich nicht einmal nackt sehen willst und es ablehnst mit mir gemeinsam im Badezimmer zu sein. Es gibt bestimmt eine Erklärung dafür, aber ich sehe nicht, wie ich damit klarkommen kann. Deshalb möchte ich unsere Beziehung beenden. Ich bin, wie Du siehst, bereits ausgezogen. Ich würde mir wünschen, dass wir Freunde bleiben könnten, glaube aber, dass auch das für Dich schwierig sein würde.“

Viktoria zerknüllte den Brief und stützte den Kopf in ihre Hände. Es war, als ob sie hörte wie die Haustür von außen zugezogen wurde, damals. Wenn die Mutter zur Chorprobe weg war, wenn sie ins Bad gehen musste und ihm ein Bad einlassen, immer ein Schaumbad mit Rosenduft. Wenn die Wanne halbvoll war, musste sie ihn rufen. Wenn er vor ihr stand, wollte er, dass sie ihm beim Ausziehen half. Das Hemd zog er selbst aus. Sie öffnete seinen Gürtel, seine Hose und zog sie herunter, faltete sie und hing sie auf. Dann musste sie seine Unterhose ausziehen. Sie schaute nicht hin. Er stieg in die Badewanne und dankte ihr für das köstlich eingelassene Bad.

Dann musste sie sich ausziehen. Nicht zu schnell, es war ja genügend Zeit. Sie wusste, dass er ihr dabei genau zuschaute. Wenn sie dann nackt vor ihm stand, versuchte sie sich mit den Händen zu schützen. Dann musste sie in die Badewanne steigen. Vor ihm kauerte sie zwischen seinen Beinen, im Rücken den tropfenden Wasserhahn. Er sagte, sein kleiner Mann, der seinen roten Kopf aus dem Schaum ihr entgegen reckte, sei von der Arbeit sehr stark angespannt und so dick, dass es ihn schmerzte. Er bat sie, ihm zu helfen, seine Schmerzen abzubauen. Am besten ginge es mit Streicheln und auch mit Küssen. Nach mehreren Malen hatte sie die beste Methode gefunden, wie sie ihm helfen konnte und er lobte sie dafür. Ihrer Mutter durfte sie nie etwas davon erzählen, sonst wäre die Mutter sauer, weil Viktoria ihrem Vater besser helfen konnte, als sie.

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