(74) Der Mann trug eine schwarze Schimaske.

von Alain Fux

„Der Mann trug eine schwarze Schimaske. In der Hand eine Pistole, mit der er auf mich zielte.“ Dietrich Sporleder erzählte Holger Bach ein weiteres Mal die Geschichte des Raubüberfalls auf seinem Eisenwarenladen.

Kurz vor Ladenschluss hatte der Unbekannte Sporleder gezwungen, ihm den Inhalt von Registrierkasse und Tresor auszuhändigen. Über 20.000 Euro. Sporleder war in den Tagen vorher nicht dazu gekommen, die Einkünfte zur Bank zu bringen. „Wer ist sonst noch bei Ihnen im Laden?“, fragte Bach. „Normalerweise mein Sohn Hanno. Er war aber zu dem Zeitpunkt bereits auf dem Weg nach Hause.“ – „Soso, das ist aber ein Zufall. Keine weiteren Zeugen. Auch Fingerabdrücke gibt es keine… “ – „Wie ich sagte, der Mann trug Handschuhe.“ – „Wir haben gehört, dass die Geschäfte momentan nicht so gut laufen, stimmt das, Herr Sporleder?“. Der Geschäftsmann rückte seine Brille zurecht. „Es gab schon bessere Zeiten und es werden auch wieder bessere kommen.“ Bach blätterte in seinem Notizblock zurück. „Wissen Sie, ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass dieser Überfall inszeniert wurde, und zwar von Ihnen und Ihrem Sohn.“ – „Herr Kommissar, mein Sohn war auf dem Weg nach Hause…“ – „Es gibt aber keine Zeugen dafür. Und ich bin übrigens Oberkommissar.“ – „Meinetwegen. Ich habe Ihnen erzählt, was geschah. Dabei bleibe ich.“

Bach blieb ebenfalls bei seiner Sicht der Dinge und nahm Vater und Sohn fest. Während die Presse bereits von dem fingierten Raubüberfall berichtete, suchte er krampfhaft nach Beweisen, um die Festnahme zu rechtfertigen. Die Eisenwarenhandlung lief wirklich sehr schlecht und die beiden Sporleders waren am Rande der Insolvenz. Neben der Aussage von Dietrich Sporleder gab es keine Anhaltspunkte, dass wirklich ein Raub stattgefunden hatte. Auch ergaben sich keine Verdachtsmomente daraus, dass Sporleder die Einnahmen nicht zur Bank gebracht hatte. Laut der Bank kamen die Einzahlungen aus der Eisenwarenhandlung immer sporadisch rein. Bach hatte bei dem Sohn Handschuhe gefunden, deren Fasern identisch waren mit denen, die man am Tresor gefunden hatte. Das war aber kein Beweis, denn Sporleder Junior war ja ständig in dem Laden. Bach ließ die Wohnungen von Vater und Sohn durchkämmen auf der Suche nach dem verschwundenen Geld. Auch den Laden und das Lager ließ er zweimal durchsuchen. Bis hin zum Spülkasten der Toilette wurde alles auseinandergenommen. Nichts. Schließlich musste Bach beide Sporleders wieder freilassen. Sein Übereifer trug ihm einen Tadel ein.

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