(73) Ich glaube, es gibt etwas zu feiern.

von Alain Fux

„Ich glaube, es gibt etwas zu feiern“, Holger umarmte Franziska und folgte ihr in die Küche, wo sie das Bündel Fleisch in den Kühlschrank legte. „Es sieht wirklich so aus, als ob Nowak versetzt wird. In die Hauptstadt. Er hat es mir heute quasi selbst gesagt.“ – „Das ist gut?“, fragte Franziska und goss sich ein Glas Weißwein ein. „Aber ja, denn wer sollte ihn sonst ersetzen? Ich bin jetzt schon seit zwei Jahren Kriminaloberkommissar und warte auf eine Führungsposition. ‚Stellvertretender Leiter des Dezernats Raub und Erpressung‘ ist zwar nett, aber irgendwann reicht es nicht mehr. Ich habe mich weiter entwickelt.“ – „Das klingt gut. Magst Du auch ein Glas?“ Sie schenkte ihm ein Glas ein, reichte es ihm und ging ins Wohnzimmer weiter. „Und sonst will keiner den Job haben? Das ist ja schön für dich.“ – „Ja vielleicht einer. Der Stadler, aus dem Einbruchsdezernat. Aber ich glaub‘, der hat weniger Chancen. Ist aber auch schon länger Stellvertreter dort und sein Chef wird erst in fünf Jahren in Ruhestand gehen. Bis dahin passiert da nix.“

Franziska hatte sich auf das Sofa gesetzt und eine Zeitschrift aufgeschlagen. Sie blätterte darin. Böhm trank einen Schluck und sah nachdenklich aus. „Aber er hat wenig Ahnung von Raub und Erpressung.“ Franziska schaute auf: „Wer entscheidet denn die Nachfolge?“ – „Das gewichtigste Wort hat bestimmt der Polizeipräsident…“ – „Und was würdest Du entscheiden, wenn du Polizeipräsident wärst?“ Holger schaute in sein Glas. „Na ja, ich würde nach den bisherigen Erfolgen schauen, das Ansehen in der Organisation… Sowas halt.“ – „Und wie vergleicht Ihr Euch da, Du und der andere…“ – „Stadler. Er ist schon sehr erfolgreich. Gute Aufklärungsquote. Gerade auch im Schnittbereich zum bandenmäßigen Einbruch. Hmm… Womöglich sieht es bei ihm besser aus als bei mir. Ich hatte in letzter Zeit etwas Pech. Vielleicht könnte ich mich in den nächsten Wochen stärker ins Zeug legen. Was meinst Du?“

Franziska legte die Zeitschrift weg. „Das kann ich nicht beurteilen, mein Lieber. Du musst tun, was du tun willst. Ich mach‘ uns jetzt mal ein Steak.“ Sie ging in die Küche. Holger setzte sich mit dem Glas Wein auf das Sofa. Aus Franziskas Reaktionen wurde er nicht klug. Mal hatte er den Eindruck, dass sie ihn antrieb, Karriere zu machen. Dann wieder war ihr Desinteresse so groß, dass er am liebsten gar nichts erzählte von seinem Job. Auf keinen Fall aber durfte er Stadler an sich vorbei lassen. Er würde sonst zum Gespött der Kollegen werden. Genauso gut könnte er sich wieder zur Streife melden.

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