(66) In den letzten Monaten hatte Roman überlegt, wie er endlich mit Kessler Geld verdienen konnte.

von Alain Fux

In den letzten Monaten hatte Roman überlegt, wie er endlich mit Kessler Geld verdienen konnte. Die Lösung waren Multiples. Es musste etwas geben, das man in größerer Stückzahl verkaufen konnte. Kessler hatte ihm jetzt unwissentlich auf die Sprünge geholfen: man würde Eng und Chang oder wie die beiden Clowns heute hießen, nicht miteinander vernähen. Sondern man würde eine Form von ihnen erstellen und davon Abgüsse in Kunststoff herstellen, um sie an reiche Privatleute zu verkaufen. Duane Hanson auf Steroiden. So musste es gehen.

Er bat Chiara ihm Kontaktdaten von Plastikspritzgießern heraus zu suchen. Am nächsten Tag lag eine Kladde mit Details auf seinem Schreibtisch. Er überflog die Liste. Niemand in Europa oder USA. Niemand der bereits Erfahrung mit Kunst hatte. Sein Zeigefinger stoppte bei Malaysia. Teck See Plastic. Er griff wieder nach dem Telefonhörer und wählte die angegebene Nummer. Nachdem er fünfmal weiterverbunden worden war, kam Friedrich zu dem Entschluss, dass das Unternehmen nicht geeignet war.

Er legte auf und ergriff wieder die Kladde. Vielleicht doch eher ein Unternehmen aus dem Westen, aber keines mit Bezug zur Kunst. Sein Fingernagel kerbte das Papier unterhalb von ‚Simulacrum – Tactile Simulation Products‘ ein. Chiara hatte daneben ‚Porno‘ geschrieben. Neugierig schaute Roman im Internet nach. Simulacrum stellte realistisch aussehende Sexpuppen aus Silikon her. Die auf den Fotos dargestellten Exemplare sahen wirklich sehr natürlich aus. Wenn Simulacrum in der Lage war, realistische Sexpuppen herzustellen, dann müsste das Unternehmen es auch schaffen, Enno und Burk aka Eng und Chang in zusammengenähter Ausführung herzustellen. Die Preise waren recht hoch, allerdings gäbe es bei einer größeren Menge bestimmt Rabatte. Außerdem konnte man hier natürlich auf die Körperöffnungen und die damit verbundenen Zusatznutzen verzichten. Er würde Kessler nicht erzählen, wo die Multiples hergestellt wurden. Alteingesessener Handwerksbetrieb. Spezialisiert auf Kirchenmadonnen. Vermittelt von Maurizio Cattelan. Roman lächelte, zensierte den Gedanken aber gleich wieder. Dieser Scherz würde seinen Plan bei Kessler garantiert scheitern lassen. Roman wählte die Nummer, erwähnte das Wort „Kunst“ und wurde mit einem Mann verbunden, der ihm zuhörte, die richtigen Fragen stellte und sich bereit erklärte, eine Vertraulichkeitserklärung zu unterschreiben. Der Mann sagte zu, Roman ein Muster in die Galerie zu schicken. Ein echter Dienstleister. Roman war zufrieden.

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