(61) Annegret hatte dem Kampf von der Hollywoodschaukel aus zugesehen.

von Alain Fux

Annegret hatte dem Kampf von der Hollywoodschaukel aus zugesehen. Sie hatte sich geschmeichelt gefühlt, dass die beiden Männer um ihre Gunst kämpften. Insgeheim hatte sie auch gehofft, dass Enno siegen würde. Sie stand auf, als Enno auf sie zugelaufen kam, seinen Helm von sich schleudernd. Er umarmte sie, hob sie an und ließ sie nicht mehr los. Auf beiden Armen trug er sie zu seinem Haus. Auf dem Weg dorthin passierten sie immer wieder Freunde von Enno, Männer Frauen, Kinder. Alle wünschten dem Paar alles nur erdenklich Gute, viel Glück und Freude. Sie schenkten Ihnen Champagner ein und tranken auf ihr Wohl. Der Weg und die Anzahl von Ennos Freunden schienen nicht enden zu wollen.

Endlich war Ennos weißes Haus mit den Geranien auf den Balkonen in Sicht. Er trug Annegret durch den blumenumrankten Eingang, über die Schwelle, die Treppe hinauf und geradewegs in sein Schlafzimmer. Von dem vielen Champagner und dem ungewohnten Getragenwerden war es Annegret schon ganz schummrig im Kopf. Sie hatte den Eindruck, dass sie ihn mit einem völlig idiotischen Lächeln ansah. Enno legte sie auf das kühle Laken. Der letzte Rest der untergehenden Sonne traf sie durch das geöffnete Fenster. Erst als Enno sich nackt auf sie legte, bemerkte sie, dass sein Rücken bis hinauf zu den Schultern behaart war.

Am nächsten Morgen wurde sie durch das Zwitschern der Vögel auf dem Balkon geweckt. Sie sah sich um. Die andere Seite des Bettes war leer. Enno musste schon früh aufgestanden sein. Sie nahm sein Kopfkissen, das sie nah ans Gesicht zog, um daran zu riechen. Wahrscheinlich war er unterwegs um mit Rasenmähen das Auskommen für Annegret und sich zu verdienen. Später stand sie auf und ließ sich ein warmes Bad ein. Während das Wasser lief, hörte sie durch das geöffnete Balkonfenster dem Zwitschern der Amseln zu.

Als die Wanne voll war und sie darin saß, bemerkte sie, dass in der Ecke ein Bilderrahmen stand. Darin ein Foto, auf dem Enno sie freundlich anschaute. Sie konnte nicht anders und küsste das Bild. Sie lehnte sich in der Wanne zurück und spürte wie der Schaum an ihren Nackenhaaren kitzelte. Sie schloss die Augen und dachte wieder zurück, als die beiden Männer um sie gekämpft hatten. Und dass sie den stärkeren, geschickteren, besseren bekommen hatte. Sobald er wieder da war, würde sie ihm den Rücken rasieren.

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