(58) Da Klaas Steinfest keine Anstalten machte, aus seinem Leben zu erzählen…

von Alain Fux

Da Klaas Steinfest keine Anstalten machte, aus seinem Leben zu erzählen, holte Kaspar Raisch, der Besitzer des Singlehotels, selbst aus. Raisch war in Plauderlaune und Steinfest konnte nicht behaupten, dass er gerade etwas Wichtigeres zu erledigen hatte.

„Ich habe vor vielen Jahren als Sicherheitsbeauftragter in einem Hotel gearbeitet. Eine Mischung aus Rausschmeißer und Bursche für alles. Ich habe viel dabei gelernt. Über die Hotellerie, aber vor allem über die Menschen. Nirgendwo entlarvt sich der Mensch mehr, denn als Gast in einem Hotel. Kennen Sie Tears Slime Puke? Die Punkband? Die hatten bei uns übernachtet. Waren auf Tournee und gaben ein oder zwei Konzerte in der Stadt. Der Leadsänger war völlig durchgeknallt. Nannte sich Laser Ox und war genauso stur. Schon am Nachmittag, als sie ankamen, war er betrunken. Unglaublich. Danach muss er weiter gesoffen haben. Oder ich weiß nicht, was er sich sonst in den Körper gepustet hat. Zum Konzert mussten sein Manager und der Schlagzeuger ihn ins Auto schleppen. Wahrscheinlich haben sie ihn dann wieder fitgespritzt, denn das Konzert fand statt. Vielleicht hatten sie auch Doubles. Wie bei Saddam. Auf jeden Fall, war er komplett durchgedreht, als er nach dem Konzert wieder im Hotel ankam. Ich war natürlich, wie schon am Nachmittag, in der Lobby postiert. Wir hatten Probleme erwartet. Ich hätte ihm am liebsten eins über die Rübe gegeben und gut ist. Aber schon damals war ich soweit: das kann man in der Hotellerie leider nicht bringen.

Ox hatte zwei Groupies dabei. Sie verschwanden alle zuerst in seiner Suite. Anfangs war es ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm. Dann laute Musik. Zimmernachbarn beschwerten sich, besonders eine Dame. Ich hin, es war mein Job. Das übliche. Nach dem zweiten Mal habe ich ihm den Strom in der Suite abgedreht. Es kam zu einem Tumult im Hotelflur. Ox verpasst der Nachbarin eine Ohrfeige. Ich versuche, die beiden zu trennen. Da beißt er mich in den Arm. Sie werden nicht raten, was ich tat. Ich biss ihn zurück in seinen Arm. Je fester er biss, desto fester biss ich. Sein Problem: ich trug Uniform, er war nackt am Oberkörper. Er ließ los, ich auch. Er blutete, ich nicht. Dafür verlor ich meinen Job. Immerhin hat Ox mir am nächsten Tag eine Flasche Whisky schicken lassen. Meine Aktion hatte ihn beeindruckt. So jung wie damals möchte ich gern mal wieder sein. Ich hörte später, dass er meine Bissmale in ein Tattoo verarbeiten ließ. Und dann wurde das Tattoo zu einem Coverbild eines Albums der Tears Slime Puke. Wenn mir mal etwas zustoßen sollte, mit dem Coverbild kann man mein Gebiss identifizieren.“

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