(46) Warum auf ein Wunder warten? Wir helfen gern – Reinigung Stern.

von Alain Fux

„Warum auf ein Wunder warten? Wir helfen gern – Reinigung Stern. Beim nächsten Piep ist es 16 Uhr. Buck FM.“

Philip Paluzzi müsste jeden Augenblick aus der Vorlesung kommen. Sein Vater hatte Gene nicht verziehen. Der Chip in Lewandowskys Kamera hatte später gezeigt, dass ihn wirklich nur die Stickerei auf Genes Blouson interessierte. Gene hatte demnach überreagiert. Die Strafversetzung nach Harvard war aber vor allem fällig geworden, weil er Paluzzi eine halbe Stunde mit einer Leiche im Kofferraum herumgefahren hatte. Gene wusste immer noch nicht, was er sonst hätte tun sollen, wagte aber nicht zu fragen. Er hatte das Gefühl seither nur auf Bewährung zu leben.

„Hi Bopper“, Philip setzte sich auf den Beifahrersitz. „Alles ok?“ – „Ja, alles bestens“, Gene ließ den Motor an. Philips Handy klingelte. „Nach Hause?“ Philip nickte. „Hi Dad. … Ja, die Prüfung lief gut. Internationales Gesellschaftsrecht ist meine Stärke. … Ich weiß. Verlass Dich auf mich. Ich werde Dich nicht enttäuschen.“

Als er aufgelegt hatte, rollte er mit den Augen. „Mein Vater kann es nicht erwarten, dass ich endlich ins Unternehmen einsteige.“ Gene antwortete nicht. Die Zeiten änderten sich gewaltig. Nicht nur seine persönliche Zukunft war ungewiss. Es war ihm nicht klar, welche Aufstiegsmöglichkeiten es noch für ein Kind von der Straße wie ihn geben konnte. Die Zeiten waren schwierig, wenn man außer seiner Kraft und seinem Mut nicht viel aufzuweisen hatte. Er würde wahrscheinlich immer nur der Fahrer bleiben, dazu verdammt die gefährlichen Arbeiten zu verrichten. Er war ein Wegwerfartikel.

„Heute Abend fahren wir mit dem Buick zu einer Party nach Rockport. Wir nehmen zwei Freunde mit, Chuck Brewster und Richard Warren. Du kannst dich an sie erinnern?“ Gene nickte. Chuck war ein kinnloser, schweinchenfarbener Waschlappen und Richards Stimme alleine reichte schon aus, um Genes Hände am Lenkrad zu verkrampfen.

Während andere, die nach ihm aufgenommen wurden, bereits Verantwortung übernommen hatten, kam sich Gene wie ein Kindermädchen vor. Er holte die Jungs vom Sport ab, brachte sie zu Partys und sorgte dafür, dass ihnen nichts Böses wiederfuhr. Er dachte an das brennende Bild des heiligen Franz. ‚Wie dieser Heilige, so brennt meine Seele. Lebendig trete ich bei und werde nur mit dem Tode scheiden.‘ Er musste Paluzzis Gunst wieder erlangen. Am besten wäre es, er könnte Philip aus Lebensgefahr retten. Eine richtige, knappe Lebensrettung. Nichts war Paluzzi wichtiger als Philip. Jeden Tag rief er mehrmals an, um sich nach den Studienfortgang seines Sohns zu erkundigen. Gene wartete auf den Moment, in dem er seine Bestimmung erfahren würde.

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