(43) Hey Rod, gehst du mit raus, Frisbee spielen?

von Alain Fux

„Hey Rod, gehst du mit raus, Frisbee spielen?“ Josh lehnte sich neben Rod an die Bücherwand. Rod tippte verbissen die Fußnoten seiner Hausarbeit ein und würdigte ihn keines Blickes. „Was glaubst du, auf der Grundlage deiner bisherigen Erfahrungen?“ – „Irgendwann musst du doch mal entspannen, Rod. Was willst du erreichen? Du bist doch schon auf der Dean’s List.“

Rod wandte sich zu Joshua Thurow und betrachtete ihn. Sein Zimmernachbar im Studentenheim war wie meistens mit nacktem Oberkörper unterwegs. Auf seiner ausgezehrten Brust war in dünner blauer Linie der Umriss eines Kuhschädels tätowiert. Die Hörner reichten bis zu den äußeren Enden der Schlüsselbeine. Rod konnte ihn nicht ansehen und blickte wieder auf den Bildschirm seines Laptops. „Meine Pläne sind langfristiger. Du lebst zugedröhnt in den Tag hinein. Ich will etwas aus meinem Leben machen.“ – „Wenn du wüsstest, wie sehr du mich zum Kotzen bringst…“

Joshua wandte sich ab und ging hinaus. Als er den Flur hinunter wankte, dachte er, dass es eigentlich nicht schlecht wäre, wenn Rod und all die anderen einmal fühlen könnten, was sie bei ihm bewirkten. Entgegen seiner Gewohnheit machte er einen Abstecher in die Bibliothek. Es gelang ihm erst im zweiten Anlauf, nachdem er sich ein Hemd übergestreift hatte. In der medizinischen Abteilung fand er in einem Buch, was er suchte. Auf einem Zettel, den er sich borgte, schrieb er ‚Orpec‘ auf. Damit verließ er den Campus und ging in eine Apotheke. Die Verkäuferin schaute im Computer nach und fragte ihn stirnrunzelnd nach der beabsichtigten Verwendung. „Für meine Katze“, antwortete Joshua und lächelte gewinnend.

Am nächsten Morgen stand Joshua ungewohnt früh auf und schlich sich in die Küche der Cafeteria, wo die Aushilfe gerade den riesigen Kaffeeboiler gefüllt hatte. Als die Frau in den Kühlraum ging, handelte Joshua blitzschnell. Er klappte den Deckel des Wasserbehälters auf, goss den Brechwurzelsirup hinein und verschwand aus der Küche.

Rod fand es kurz darauf bemerkenswert, dass Joshua a) mit ihm frühstückte, b) so früh auf den Beinen war und c) Wasser trank. Während er noch rätselte, begann das große Erbrechen. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die Cafeteria in einen Ort des Grauens. Selbst Joshua und die Teetrinker konnten sich dem Kollektivzwang nicht entziehen. Es war ein denkwürdiger Tag. 83 Personen mit einem durchschnittlichen Mageninhalt von 241 ml ergab einen Gesamtausstoß von genau 20 Litern. Auf einer Fläche von 240 m² stand die Kotze daher im Schnitt etwa 0,083 mm hoch. Aufgrund der flüssigkeitabsorbierenden Fähigkeiten der in dem Erbrochenen enthaltenen Klümpchen, stand die Kotze an manchen Stellen höher.

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