(40) Liv ging Cullen voran ins Schlafzimmer.

von Alain Fux

Liv ging Cullen voran ins Schlafzimmer. Der Fotograf registrierte den goldumrandeten Spiegel an der Decke über dem unglaublich großen Bett. Vor dem Fenster ein Balkon zum Pool hin. „Wir haben noch ein Haus auf den Keys, Wohnungen in New York, London und Tokio. Aber hier in L.A. verbringen wir die meiste Zeit.“ Sie war jetzt in einem begehbaren Kleiderschrank verschwunden. Cullen folgte ihr weiter. „Rod hat eine kleinere Garderobe auf der anderen Seite. Hier ist ein Teil meiner Kleidung. Natürlich ist in den anderen Wohnungen mehr und vieles ist auch verstaut.“ – „Ich glaube, wir haben hier auf jeden Fall genug Material. Ich habe jetzt auch einen Eindruck, was ich für Hardware brauche, um das Shooting durchzuführen. Wie haben Sie sich den Aufbau des Buchs vorgestellt?“

Vor Jahren hatte Cullen eine Marktlücke entdeckt: er fotografierte den Privatbesitz von Ultrareichen und verkaufte ihnen das Ergebnis in Buchform. Quasi als visuelle Bilanz. Den ersten Job hatte er für einen extrem zeigefreudigen Milliardär gemacht. Sein Kunde war so zufrieden mit der Arbeit, dass er das Buch in Kleinauflage drucken ließ und an andere Milliardäre verteilte. Das war die Quelle von Folgeaufträgen für Cullen.

Liv McKay erklärte Cullen, dass das Buch wie eine Reise durch einen Tag in ihrem Leben aufgebaut sein sollte. Vom Aufwachen zum Frühstück, zur Unterredung mit den Bediensteten, Lounging am Pool, bis zum Abendessen mit Freunden und einem letzten Drink mit Rod auf dem Balkon. „Das klingt gut“, sagte Cullen anerkennend. „Damit kann ich etwas anfangen.“

Später kam Rod McKay dazu. Er hatte sein Geld damit verdient, Softwarefirmen zu gründen und für viel Geld zu verkaufen. Er hatte gerade ein neues Projekt angefangen und war in euphorischer Laune. Cullen erklärte das Konzept für das Buch, wie mit Liv besprochen. Rod war anderer Meinung. „Wir brauchen eine dramatische Steigerung. Es muss den Leser von den Socken hauen. Ich finde, wir fangen mit der Garage an. Meine Autosammlung ist ein echter Knüller, die müssen alle mit drauf. Am besten einzeln. Das ist ein Paukenschlag zum Einstieg. Dann das Haus, Pool zur Überleitung. Dann die Gemäldesammlung. 233 Stücke, Gegenwartskunst vom Feinsten. Müssen auch alle einzeln drauf. Dann wieder ein paar andere Hausansichten. Ich will, dass man sieht, was wir haben. Wir wollen nichts verstecken. Nicht wahr, Schatz?“

Bevor Liv antworten konnte, fuhr er fort: „Und ich will ein Kapitel über die Yacht. Und die anderen Wohnungen und das Haus in Florida. Ich will alles da drin haben.“ Cullen nickte. Also wieder zurück in den üblichen Katalogmodus. Es wäre auch zu schön gewesen. Liv schaute in den Garten raus und hörte nicht mehr zu. Rod zählte noch weitere Besitztümer auf, die alle in das Buch rein mussten. Cullen notierte eifrig mit.

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