(37) Der Köbes hatte die Kölschgläser ausgeteilt und ging wieder.

von Alain Fux

Der Köbes hatte die Kölschgläser ausgeteilt und ging wieder. „Ich lese dann mal die Vorschläge laut vor.“ Ernst setzte die Lesebrille auf und faltete den ersten der vier Zettel auseinander. „Die vier Reiter der Apokalypse.“ Er schaute die anderen drei über den Rand seiner Brille an. Keiner schien begeistert, Georg verzog die Mundwinkel. Schade, Ernst hätte mit mehr Interesse an seinem Vorschlag gerechnet. Vielleicht hätte er doch schummeln sollen und seinen Zettel an den Schluss legen. Mal sehen, was die anderen sich ausgedacht hatten. Er nahm den nächsten. „Die vier Jahreszeiten.“ Herbert musste lachen, sah sich wahrscheinlich schon als Frühling mit Blumen im Haar. „Die vier Himmelsrichtungen.“ Auch hier keine Reaktion. Der Vorschlag war auch selten dämlich. Wahrscheinlich von Emil. Vielleicht hatten die apokalyptischen Reiter doch noch eine Chance. Ernst würde gerne als der weiße Reiter gehen.

Er nahm den letzten Zettel. „Die Beatles.“ – „Das ist es“, meinte Georg. Herbert und Emil nickten zustimmend. Ernst hatte keine andere Wahl.

Er hob seine Kölschstange, die anderen taten es ihm nach. Sie stießen an und tranken. „Ich halte fest, dass wir in der nächsten Karnevalssession als die Beatles auflaufen werden.“ Im vorigen Jahr hatten sich die vier Stammtischgenossen als die vier Spielkartenbuben verkleidet. Im Jahr davor als D’Artagnan und die vier Musketiere. „Ich wäre gerne John Lennon“, sagte Herbert. Es entstand eine Diskussion, weil jeder der vier John Lennon sein wollte. Genauso wie jeder zuvor D’Artagnan oder der Herzbube sein wollte.

„Wir machen es wie in den letzten Jahren: wir losen die Namen aus.“ Ernst nahm einen leeren Zettel, faltete ihn zwei Mal und trennte das Blatt in vier Teile. Auf jeden Teil schrieb er den Namen eines Beatle, knüllte den Zettel zusammen und warf am Ende die vier Knäuel in seinen Hut, den er zum weiteren Mischen etwas schüttelte. Er stellte den Hut auf den Tisch und jeder zog einen Zettel.

Herbert wurde Paul McCartney, Emil wurde Ringo Starr, Georg wurde George Harrison („Da brauche ich mir ja nur ein E anzuhängen und fertig.“) Ernst war zufrieden, dass er John Lennon war.

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