(36) Nachdem Jimmy Coetzee, der Skipper, das Schiff wieder in Richtung Hafen gewendet hatte…

von Alain Fux

Nachdem Jimmy Coetzee, der Skipper, das Schiff wieder in Richtung Hafen gewendet hatte, versuchte er an den Gesichtern der Passagiere zu erkennen, ob sie mit dem Ausflug zufrieden waren. Man konnte auf einer Fahrt zehn Wale zusammen finden – wenn es am Anfang der Fahrt passierte und danach nichts mehr, war es eine schlechte Fahrt gewesen. Ein einziger Wal am Ende einer Fahrt, das war normalerweise eine gute Fahrt. Glücklicherweise hatte er zum Schluss doch noch einen Südkaper finden können. Mit diesem Happy End schienen alle glücklich zu sein. An den Tagen davor war es viel einfacher gewesen, aber heute schienen die Wale alle sehr viel weiter draußen zu sein. Weiß der Teufel warum.

Nach der aufregenden Suche schienen sich alle zu entspannen. Ein älteres Ehepaar hatte Danni, den Whale Guide, in Beschlag genommen und stellten ihm eine Frage nach der anderen. Der Einzelmann, der sich vorhin, gerade als der Wal sprang, über die Reling übergeben hatte, war jetzt auch ruhiger. Ein echtes Landei, denn die See war kaum bewegt. Schien nicht so ein Büromensch zu sein, wie die meisten Gäste. Eher ein Arbeiter, der aus irgendwelchen Gründen seinen Urlaub alleine verbrachte. Irgendwie traurig, fand Coetzee. Genoss jetzt aber auch die Sonne, das war gut.

Der Skipper schob die Schirmmütze tiefer ins Gesicht und lehnte sich in seinem Sitz zurück. Es war der beste Teil des Tages, wenn man mit der letzten Tour gemütlich in den Hafen tuckern konnte und alle waren zufrieden.

Auch Reiche, Schöne und Prominente, die immer wieder mitfuhren, auch sie waren meistens sehr zufrieden. Einmal hatte er Ringo Starr an Bord. Zumindest sah der Gast so aus. Die Haare, die Nase und der Mund – für Coetzee war die Sache klar. Danni, den er dazu befragte, war anderer Meinung. Er hätte natürlich den Gast fragen können, aber das wollte er nicht. So konnte er zumindest immer erzählen, dass er mal einen Gast an Bord hatte, der wahrscheinlich Ringo Starr war. Mit Nachfragen hätte er die Story zerstört oder künftig lügen müssen. Danni war sowieso unbeeindruckt von Ringo Starr. „Ringo Starr, das ist wie ein Seehund. Nichts Besonderes. John Lennon wäre etwas ganz anderes, das wäre wie eine Schule von Buckelwalen.“ – „John Lennon ist tot.“ – „Eben“, entgegnete Danni, „das wäre etwas Besonderes gewesen.“ Danni war schon eine Nummer. Aber, vielleicht Ringo Starr gefahren zu haben, war besser, als sicher nicht John Lennon. Coetzee überlegte sich zum wiederholten Male, warum er nicht schon vor Jahren ein Album mit Fotos der Promigäste angelegt hatte. Das wäre sehr nützlich bei der Vermarktung. Er kannte die Antwort natürlich: Danni würde ihn deswegen foppen. Ausgerechnet Danni, der selbst eine Muschelsammlung pflegte.

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