(34) Joseph kicherte für sich und trat aus dem Aufzug auf das Parkdeck.

von Alain Fux

Joseph kicherte für sich und trat aus dem Aufzug auf das Parkdeck. Den anmaßenden Anzugfuzzi hatte er ordentlich in die Flucht geschlagen. Das war lustig. Aber er wollte kein Aufsehen erregen, deshalb hatte er kurz darauf seinen Platz geräumt und für den Tag Schluss gemacht. Die Blindenbinde und die dunkle Brille hatte er in die Tasche seines Mantels gestopft.

Seit er die Blindenbinde gefunden hatte, waren seine Einnahmen gestiegen. In der Hand trug er eine Plastiktüte mit Einkäufen. Ein Viertel seiner Tageseinnahmen hatte er in Lebensmittel investiert. Am Ende der Reihe und unter der Auffahrt stand der weiße Lieferwagen mit der Aufschrift „Manfred Huck Klempnerei + Installation“. Als er sich dem Wagen näherte, schaute Joseph sich um und schloss die Seitentür auf. Er öffnete sie einen Spalt weit, stieg ein und zog die Tür hinter sich wieder zu.

Im Laderaum lag eine Matratze, daneben ein Regal mit Werkzeugen, Rohrstücken und Muffen sowie einem Schraubstock zum Gewindeschneiden. Über dem Bett hingen an Haken viele Plastiktüten, in denen Joseph seine Besitztümer aufbewahrte. Er hatte vor einer Woche bei einem seiner Streifzüge bemerkt, dass der Lieferwagen unverschlossen war und der Schlüssel im Zündschloss steckte. Am nächsten Tag hatte er den Wagen untersucht und gefunden, dass er eine Art mobile Werkstatt enthielt. Den Wagenschlüssel hatte er abgezogen und mitgenommen. Als am darauf folgenden Tag der Wagen immer noch unbeachtet dastand, hatte er beschlossen einzuziehen. Das Werkzeug hatte er so gestapelt, dass Platz frei wurde für seine Matratze. Seit er eingezogen war. hatte er den Eindruck, dass sich sein Besitz sehr stark vermehrt hatte. Während er vorher nur Dinge aufbewahrte, die wichtig waren, merkte er, dass er immer öfters Dinge aufbewahrte, obwohl er sie wahrscheinlich nicht wieder brauchen würde.

Manchmal fragte er sich, was mit Manfred Huck passiert sei. Vielleicht wollte er nur kurz einkaufen gehen und fiel tot um oder musste ins Krankenhaus. Auf jeden Fall suchte keiner nach dem Wagen. Und falls jemand käme, dann würde er eine neue Stelle zum Übernachten suchen müssen. Aber solange genoss es Joseph, eigene und abschließbare vier Wände zu bewohnen. Manchmal, wenn er auf seiner Matratze schlief, träumte er, dass er den Wagen startete, aus dem Parkhaus heraus in die Graf-Adolf-Straße und weiter in Richtung untergehende Sonne entlangfuhr.

Advertisements