(32) Reichel bog auf den Parkplatz des „Club 13“ ein.

von Alain Fux

Reichel bog auf den Parkplatz des „Club 13“ ein. Er hatte bereits von den wilden Partys gehört, die der Vorstand ab und zu feierte. Am Tag davor hatte ihn Borkenhagen persönlich dazu eingeladen. Reichel verstand es als Belohnung, weil er sich bei der Niehaus-Sache bewährt hatte.

Der ganze Club war an dem Abend nur für die drei Vorstände und für Reichel reserviert. Acht Frauen standen zur Auswahl. Reichel hatte keine Erfahrung bei Bordellbesuchen und kannte auch niemand, bei dem er sich hätte informieren können, wie so etwas abläuft. Er fühlte sich auf unsicherem Terrain.

Borkenhagen und die beiden anderen Vorstände, Plambeck (Firmenkunden) und Amstutz (Privatkunden) saßen bereits an der Bar. „Zum Vorglühen“, wie Amstutz meinte. Die Damen servierten Drinks, nahmen am Small Talk teil. Irgendwann fingen zwei der Damen sich zu küssen und langsam auszuziehen.

Bald darauf gingen alle in den Spa-Bereich, wo ein großer Jacuzzi sprudelnd auf sie wartete. Plambeck verschwand mit zwei Frauen. Alle anderen saßen im Jacuzzi und tranken Champagner. An einer Seite des Raums war ein Büffet angerichtet. Reichel fühlte sich zunehmend unwohl und wusste nicht, was von ihm erwartet wurde. Borkenhagen redete von diesem oder jenem, während eine Frau ihn zwischen den Beinen streichelte. Amstutz hielt zwei der Frauen in den Armen und fummelte an ihren Brüsten. Als Plambeck zurückkam, scherzten die beiden Vorstandskollegen mit ihm („Das war aber sehr kurz, Herr Kollege. Scheint wohl nur eine kurze Linie gewesen zu sein. Der Revolver ist wohl gekündigt worden?“). Plambeck lachte mit und setzte sich zu den Kollegen in den Jacuzzi. Reichel stand auf und ging zum Büffet. Er holte sich einen Hähnchenschenkel und stieg wieder in die Wanne. Plambeck meinte „Oh, oh.“ Borkenhagen sah ihn streng an und als Reichel an sich herunter schaute, um zu sehen, was denn das Problem war, rutschte ihm der Hähnchenschenkel aus der Hand und fiel in den Jacuzzi.

„Reichel“, schrie Borkenhagen ihn an, „was sind Sie denn für eine Sau? Das ist ja eine unglaubliche Schweinerei! Haben Sie denn keine Kinderstube genossen?“ Reichel stand splitternackt in der Mitte des Jacuzzi und fühlte die Blicke aller auf ihn gerichtet. Er kniete sich hin und suchte nach dem Hähnchenschenkel. Amstutz hob das Bein, setzte den Fuß an Reichels Schulter und drückte ihn um. Plambeck, vor dessen Füße er fiel, hielt seinen Kopf unter Wasser. Chlorhaltiges Wasser drang in seinen Mund und er fing an zu strampeln. Der Griff ließ nach und er konnte wieder nach Luft schnappen. Borkenhagen sagte „Sie scheinen mir kein Vorstandsmaterial zu sein, Reichel. Jetzt ziehen Sie sich an und fahren nach Hause. Wir reden morgen um 9 Uhr in meinem Büro. Raus jetzt, Sie Flegel.“

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