(28) Nach dem Unglück mit George brach Mark Zinn sein Studium ab.

von Alain Fux

Nach dem Unglück mit George brach Mark Zinn sein Studium ab. Bevor die Untersuchung des Vorfalls beendet war, zog er nach Europa. Einige Zeit vegetierte er völlig antriebslos vor sich hin und lebte von Geld, das er aus der Erbschaft einer Großmutter bekommen hatte. Irgendwann ging es ihm wieder besser und er begann sich nach einem Lebenszweck und vor allem nach einer Verdienstmöglichkeit umzuschauen.

Durch Zufall fand er eine Veranstaltung, bei der Vertriebsmitarbeiter für eine französische Weinsorte gesucht wurden. Es waren keine besonderen Erfahrungen und Vorkenntnisse notwendig. Er lernte Hames Krugh kennen, einen anderen Amerikaner, der bei der Veranstaltung mit großem rhetorischem Können die Qualität der Weine lobte und die Verdienstmöglichkeiten für Mitarbeiter der ersten Stunde erläuterte. Nach der eigentlichen Präsentation stand Mark mit Hames und anderen Kandidaten an einem Tapeziertisch, über den man ein langes weißes Tischtuch gelegt hatte. Alle probierten den Rotwein aus dem Château de Cazaux, einem Gut aus der Nähe von Bordeaux, das bis dahin noch unbekannt war. Mark und auch die anderen Kandidaten hatten kein Weinverständnis, ließen sich aber von Hames überzeugen, dass sie noch nie einen besseren Bordeaux getrunken hatten. Nach einigen Gläsern zog Hames Mark zur Seite und drückte ihm einen Vertrag in die Hand mit den Worten, „Ich vertraue Ihnen, dass Sie mit dem Reichtum umgehen können, der Sie erwartet“. Mark unterschrieb, so wie die anderen auch. Damit hatten sie ein Recht darauf, den Wein von Château de Cazaux mit 50% Rabatt zu beziehen und zu vermarkten. Sie hatten allerdings auch die Pflicht, zunächst einmal 500 Flaschen abzunehmen, zu zahlen und zu lagern. Um erfolgreich zu sein, erklärte ihm Hames in den nächsten Tagen, musste er weitere Vertriebler anwerben und für sich arbeiten lassen. Hames bezeichnete diese Leute als „Downliner“. Mark sog diese neuen Kenntnisse auf und hängte sich mit großem Elan in die Akquisition. Er druckte Prospekte, tourte durch Restaurants mit seinem Wein und organisierte Verkostungen. Dabei warb er andere Verzweifelte an, die seine Downliner werden sollten, so wie er der Downliner von Hames war.

Nach drei Monaten war Mark mit seinem Konto tief in den roten Zahlen. Er hatte immer noch 479 Flaschen in einem angemieteten Lagerraum, der ihm von Hames empfohlen worden war. In den meisten Restaurants, in denen er vorsprach, war er ausgelacht oder beschimpft worden. Von den drei Downlinern hatte er sich mit zweien verkracht und einer war spurlos verschwunden. Mark verfiel aufs Neue in eine große Lethargie, die er nur überlebte, weil seine andere Großmutter verstarb. Damit diese Erbschaft möglichst lange vorhielt, verlegte sich Mark aufs Schmarotzen. Wo es kostenlos etwas gab, war er nicht fern.

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