(27) Mark Zinn hatte schon immer einen leichten Zugang zu anderen Menschen gehabt.

von Alain Fux

Mark Zinn hatte schon immer einen leichten Zugang zu anderen Menschen gehabt. Kurz nach dem Beginn des Semesters hatte er bereits Kontakte zu vier neuen Studenten geknüpft. Er gab den erfahrenen Ingenieursstudenten und schaffte es damit, sich jedes Jahr erneut ein Gefolge aufzubauen. George Reeves war der einzige ältere Student, der nicht früher oder später den Kontakt zu Mark abgebrochen hatte.

An einem Freitagabend, gingen Mark und George mit den vier Neuen aus. Sie zogen durch einige der Kneipen in einem Arbeiterviertel. Mark gefiel sich in seiner Rolle als Anführer, George war wie immer recht still. Als die letzte Kneipe geschlossen hatte, kehrten die sechs gemeinsam wieder in Richtung der Studentenstadt um. Ein Teil des Weges ging am alten Güterbahnhof vorbei. Mark blieb neben einem Kesselwagen stehen, der mit einer öligen Kruste überzogen war. Er griff eines seiner Lieblingsthemen des Abends erneut auf und erklärte, was es bedeutete Ingenieur zu sein, Pionierarbeit zu leisten und die Menschheit, in eine bessere Zukunft zu führen. Manchmal müsse man auch Risiken eingehen und Mut beweisen auf der Suche nach neuen Erkenntnissen.

Er deutete auf den Kesselwagen. „Wer von den Herren würde sich denn trauen, diesen Kesselwagen an einer Seite hochzuklettern und an der anderen wieder herunter?“ Die vier angesprochenen Frischlinge waren nervös, schauten weg und reagierten nicht. Mark tat, was er immer tat, wenn er eine Mutprobe als Aufgabe stellte. Er wartete und wiederholte seine Frage.

Plötzlich ließ George seine Jacke auf den Boden fallen und stieg über den niedrigen Zaun auf das Gleisbett. Mark war verblüfft, sagte aber kein Wort. Die anderen Studenten dachten, es wäre so abgesprochen und George würde ihnen jetzt zeigen, was von einem richtigen Ingenieur erwartet werde. George hatte weiche Knie, als er eine Hand auf die Leiter des Kesselwagens legte und sich hochzog. Er spürte die klebrige Ölschicht an den Händen und krabbelte an der Leiter nach oben. Der Himmel über ihm war mit orangebeleuchteten Wolken tief verhangen. Als er auf dem Scheitelpunkt des Kessels angekommen war, musste er sich aufrichten und drehen, um auf der anderen Seite die Leiter zum Herunterklettern mit den Füßen zu ertasten. In diesem Moment sahen die fünf Studenten zwischen Georges Arm, den er zum Balancieren angehoben hatte, und der Hochspannungsleitung über ihm einen grellen Lichtbogen überschlagen. Der Lichtbogen war so hell, dass sie Augenblicke lang geblendet waren. Als sie wieder etwas erkennen konnten, lag George vor ihnen auf dem Gleisbett.

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