(15) Am 15. April 1920, ein knappes Jahr bevor Aristoteles Onassis bei Fahrie’s seine Unschuld verlor…

von Alain Fux

Am 15. April 1920, ein knappes Jahr bevor Aristoteles Onassis bei Fahrie’s, einem Bordell in Smirna, seine Unschuld verlor, verübten zwei bewaffnete Männer einen Raubüberfall in South Braintree, Massachusetts. Dabei erbeuteten sie das Lohngeld der Schuhfabrik Slater & Morrill Shoe Company und erschossen zwei Angestellte, den Lohnbuchhalter Frederick Parmenter und den Wachmann Alessandro Berardelli. Am 5. Mai nahm die Polizei zwei Anarchisten italienischer Abstammung wegen Tatverdachts fest, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti. Das Gerichtsverfahren gegen sie wurde am 31. Mai 1921 eröffnet.

Viele Umstände blieben in der Verhandlung unbeachtet: eine Mütze, die am Tatort gefunden sein sollte und Sacco gehören sollte, war in Wirklichkeit einen Tag später auf der Straße gefunden worden und war Sacco viel zu eng. Die Aussagen der Experten waren vage zur Herkunft der Kugel, die Berardelli getötet hatte. Es gab Zweifel, ob sie aus Saccos Colt abgefeuert worden war. Eine große Rolle spielte hingegen in den Ausführungen vor Gericht, dass beide Männer Anarchisten waren und ihrer Einberufung in die US-Armee 1917 durch die Flucht nach Mexiko entkommen waren. Am 14. Juli 1921, bevor er die Geschworenen zur Urteilsbesprechung entließ, beschwor der Richter besonders die Wichtigkeit von „Treue“.

Nach einer Beratung von drei Stunden, gefolgt von einer Mittagspause von zwei Stunden, befanden die Geschworenen die Angeklagten in allen Punkten für schuldig. Sympathisanten von Sacco und Vanzetti unternahmen erfolglose Versuche, um wegen der Ungereimtheiten eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu bewirken. Auch in Argentinien, wo viele italienische Einwanderer lebten, nahmen viele Anteil an dem Verfahren. Darunter war auch ein junger Anarchist namens Severino di Giovanni, ebenfalls italienischer Herkunft.

Im September 1923 kam Onassis in Argentinien an und lernte Anna im Dezember kennen. Ein halbes Jahr später ließ er sie fallen.

Im November 1926 gestand Celestino Madeiros, ein verhafteter Verbrecher, am Überfall auf die Schuhfabrik in South Braintree teilgenommen zu haben. Seiner Aussage nach waren weder Sacco noch Vanzetti bei der Tat dabei. Dennoch wurden Sacco und Vanzetti am 9. April 1927 zum Tod durch den Elektrischen Stuhl verurteilt.

Über drei Jahre nach ihrer Beziehung zu Onassis, lernte Anna einen amerikanischen Geschäftsmann kennen, der um ihre Hand anhielt. Am späten Abend des 22. Juli 1927 gingen die beiden im Palermo Park spazieren, als eine Bombe am George Washington Denkmal explodierte. Die Bombe war das Werk des italienisch stämmigen Anarchisten Severino di Giovanni, der damit gegen die Verurteilung von Sacco und Vanzetti protestierte.

Anna und ihr Verlobter erlagen ihren Verletzungen infolge der heftigen Explosion. Sacco und Vanzetti wurden am 22. August 1927 hingerichtet. Severino di Giovanni wurde am 30. Januar 1931 festgenommen, nachdem er weitere Bombenattentate durchgeführt hatte.

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