(12) Rückborn wachte langsam auf.

von Alain Fux

Rückborn wachte langsam auf. Er dachte ein paar alkoholumnebelte Sekunden an seinen Vater, der ihm beigebracht hatte, was es hieß, ein gläubiger Christ zu sein. Er versuchte, vom Tisch aufzustehen, aber es gelang ihm nicht. Er sackte wieder nieder, sein Kopf fiel auf die Tischplatte. Sofort schlief er wieder ein. Schnell träumte er von einem lichten Wald, in dem er als weißer Hase auf einer dicken Schicht toter Blätter herumhoppelte. Er erkundete die Umgebung und stieß auf einen Pfad, der quer durch den Wald verlief. In der Ferne sah er vor den Tannen einen roten Punkt auf und nieder springen. Er kam auf ihn zu. Zuerst duckte er sich im Gras, konnte aber den roten Punkt noch erkennen. Als der Punkt fast bei ihm angekommen war, stürzte er aus dem Gebüsch und stellte sich ihm in den Pfad. Das Mädchen mit der roten Mütze schreckte vor ihm zurück. „Du bist der Osterhase?“, fragte sie ihn. „Nein. Ich bin Propp!“ Er ergötzte sich an ihrem Schrecken. „Jetzt schauen wir doch mal, ob du ein kluges Mädchen bist. Bist du ein kluges Mädchen?“ – „Naja, Herr Propp…“ – „Nur Propp, sonst nichts.“ Er hoppelte einmal um sie herum.

„Schauen wir doch mal, wie klug du bist. Wie heißt der Osterhase auf Holländisch?“ Er schaute sie mit verkniffenen Augen an. „Na?“ – „Ich… ich weiß es nicht.“ – „Versuche es!“ – „Osterhaas?“ – „Paashaas!“, schrie Propp, stürzte sich auf das Mädchen und vergrub seine scharfen Zähne in ihrer Wade. Sie schrie gellend auf und stürzte hin, fing sich mit den Händen. „Und wie heißt er auf Japanisch?“, fragte Propp mit blutverschmiertem Maul. Da das Mädchen nicht sofort antwortete, biss er sogleich wieder zu. „Usagi“, antwortete Propp selbst und dehnte jede Silbe. Mit der Zunge leckte er sich das Blut von den Schneidezähnen. Dann biss er in die andere Wade. „Und wie heißt er auf Persisch?“ – „Ich weiß es nicht, bitte, bitte, aufhören. Ich bin gar kein kluges Mädchen.“ – „Das scheint mir auch so“, antwortete Propp und biss sie noch einmal, einfach weil er es konnte. „Es heißt „khargoosh“ auf Persisch, du dummes Gör.“ Das Mädchen lag jetzt auf dem Rücken und Propp hoppelte um sie herum, er wollte sich jetzt ihre makellosen Arme vornehmen. Dabei war er unachtsam und trat mit einem Hinterlauf in ein Tellereisen. Die Falle schnappte sofort zu. Propp saß fest und ihm war klar, dass er aus eigener Kraft den Bügel nicht öffnen konnte.

Das Mädchen setzte sich auf und erfasste rasch die Lage. Sie griff in ihren Weidekorb und nahm ein Messer heraus. Propp versuchte sich zu wehren, aber sie hielt ihn mit einem Ast an der Kehle am Boden. Mit dem Sägezahnmesser trennte sie Propps freien Hinterlauf ab und hielt die Hasenpfote triumphierend in die Höhe.

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