(10) Nachdem Rückborn lange genug vor dem leeren Blatt Papier gesessen hatte…

von Alain Fux

Nachdem Rückborn lange genug vor dem leeren Blatt Papier gesessen hatte, zerknüllte er das Blatt und warf es in den Papierkorb. Er trank noch einen Schluck Rotwein und konzentrierte sich auf das nächste weiße Blatt. Wenn er nur lange genug darauf starrte, würde ihm etwas einfallen, mit dem er es füllen konnte. Es war ja alles in ihm drin. Er musste es nur zu Tage fördern.

Seine Augen konnte er kaum noch offenhalten, denn die Lider wurden immer schwerer. Plötzlich schreckte er hoch, als die Tür zu seinem Arbeitszimmer aufgerissen wurde. Dan Aykroyd alias Dr. Stantz kam aufgeregt herein. Auf dem Rücken trug er ein blinkendes Protonen-Pack. „Wir haben ein Gespenst in der Kirche!“, schrie er Rückborn an, der vor Schreck sein Weinglas umstieß, das sich in die Packung mit den Kleenex-Tüchern entleerte. Der Wandschrank wurde aufgeschlagen und Harold Ramis alias Dr. Spengler trat heraus. „Ray, du hast den Heiligen Geist gesehen. Das ist normal.“ Darauf öffnete sich noch einmal die Tür und Richard Feynman trat herein. „Prof. Feynman!“, riefen Stantz und Spengler gleichzeitig. „Guten Abend“, antwortete Feynman. „Ich habe gehört, dass es hier eine ungeklärte Frage gibt. Das hat mich hergerufen. Dr. Stantz, Sie haben in der Kirche ein Gespenst gesehen. In welcher Kirche war das?“ Stantz deutete auf Rückborn. „In seiner Kirche.“ – „Herr Rückborn, was ist das für eine Kirche, die Sie als Ihre Kirche bezeichnen?“

Rückborn war zuerst sprachlos. Seine drei Besucher schauten ihn an. „Ich besitze keine Kirche. Ich bin Teil von ihr. Sie definiert, was ich bin. Und gemeinsam mit anderen Gläubigen stellen wir die Kirche dar.“ Feynman kratzte sich am Kopf. „Also sind Sie gleichzeitig ein Teil davon und die Kirche ist ein Teil von Ihnen, richtig? Interessant. Wurde das schon einmal wissenschaftlich untersucht? Ich bin einfach nur neugierig.“

Rückborn hatte sich wieder etwas gefangen. „Was machen Sie alle hier in meinem Arbeitszimmer? Warum lassen Sie mich nicht in Ruhe arbeiten?“ – „Gentlemen“, sagte Feynman, „ich glaube wir sollten unserem Freund hier nicht weiter zur Last fallen. Er wird bestimmt seine Probleme alleine bewältigen können. Lassen Sie uns spazieren gehen. Dabei kann man am besten nachdenken. Das habe ich von meinem Vater. Er war Uniformverkäufer und ich habe sehr viel von ihm gelernt.“

Stantz, Spengler und Feynman verließen das Zimmer. Rückborn goss sich zur Beruhigung ein weiteres Glas Rotwein ein, zerknüllte das Blatt Papier und warf es in den Papierkorb. Dann legte er sich ein paar Kleenextücher bereit.

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