(8) Cornelius öffnete beide Flügel der Eingangstür zu seinem Haus.

von Alain Fux

Cornelius öffnete beide Flügel der Eingangstür zu seinem Haus. „Willkommen, meine Herren. Ich hoffe, Sie haben es leicht gefunden.“ Der Journalist, Erwin Hoss, und sein Fotograf, Heiko Schindler, schüttelten ihm die Hand und traten über die Schwelle. Schindler stellte seine beiden Taschen auf die Erde und begann, seine Kameras vorzubereiten. Erwin Hoss besprach die Einzelheiten der Homestory mit Cornelius. Zuerst ein Rundgang durch das Haus mit Heiko Schindler. Dann ein Gespräch, „am Küchentisch“, wie er sich ausdrückte. „Wollen Sie Ihren Fans etwas Bestimmtes übermitteln?“, fragte er. Cornelius bedauerte, dass er seinen Agenten gefeuert hatte, und meinte: „Ich will nur, dass sie sehen, dass ich ein normaler Mensch bin.“ – „Soso“, antwortete Hoss und Cornelius ahnte schon, dass es für diese Antwort einen Minuspunkt gab. Der Rundgang verlief fehlerfrei. Schindler fragte nach einem Heimkino. Cornelius bestritt, dass es ein solches gab. Immer wieder posierte er lässig an bestimmten Stellen, die der Fotograf ausgewählt hatte. Dabei lächelte er gewinnend und hätte doch am liebsten geheult. Warum war es nur so schwer ohne Alkohol und Pillen?

Im Gespräch musste er Hoss die wichtigsten Abschnitte seiner Lebensstory erzählen, denn der Journalist war schlecht vorbereitet. Er schien auch nicht wirklich an den Antworten interessiert zu sein. Immerhin lief ein Tonband. „Schauen Sie sich noch öfters Filme von früher an?“, fragte ihn Hoss. „Nein“, log Cornelius, „mit meinen neuen Projekten habe ich leider keine Zeit dazu.“ Die Homestory war vor Monaten mit dem Magazin vereinbart worden, als sein Agent noch eine PR-Offensive gestartet hatte. Einziger Erfolg der Offensive war, neben der Homestory, die klägliche Elefantentaufe gewesen. Und sogar dafür hatte Cornelius noch zahlen müssen. „Sehr schön“, meinte Hoss und es klang wie der Schlussstrich unter dem Interview. „Wo werden Ihre Fans Sie denn bald wieder sehen?“ Cornelius lächelte matt und sagte, er sei in Verhandlungen mit einem bekannten Regisseur, er könne aber noch nichts verraten. Im Flur hatte Schindler bereits seine Ausrüstung verpackt. Sie schüttelten Cornelius die Hand zum Abschied und er winkte ihnen in der Ausfahrt hinterher. Als sie weg waren, schloss Cornelius sorgfältig beide Flügel der Tür. Im Keller holte er sich eine Flasche Single Malt aus dem Versteck und verkroch sich damit in das Heimkino hinter der Tapetentür. Mit der Fernbedienung startete er den Player mit der DVD der ersten Anton-Staffel. Er setzte die Flasche zum Trinken an.

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