(7) Erika schaute auf den Pelikan, der seinen Schnabel weit aufriss…

von Alain Fux

Erika schaute auf den Pelikan, der seinen Schnabel weit aufriss, damit sein Junges in seinem Kehlsack stöbern konnte. Irgendwie war sie von dem Anblick gerührt. Wenn Rainold sen. nicht dabei war, durfte sie das. Rainold jun. war schon etwas vorausgelaufen zu den Elefanten und winkte sie aufgeregt herbei. Sie schob den Kinderwagen weiter. Als sie angekommen war, hob sie Rainold hoch und setzte ihn sich auf die Schultern. Eine große Menschenmenge hatte sich vor dem Elefantengehege angesammelt. Heute wurde der kleine Elefant getauft und das war auch der Grund, warum sie beide überhaupt hier waren. Im Gehege standen zwei Männer, von denen einer ihr bekannt vorkam.

Rasmus Cornelius kam sich in dem Elefantengehege etwas verloren vor. Er konnte die Zuschauer in der Distanz nicht so gut sehen und war sich nicht sicher, ob sie ihn auch erkannten. Der Zoodirektor hatte sich aber geweigert, die Taufe weiter vorne abzuhalten. Er sagte, das würde das Elefantenjunge zu sehr beunruhigen. Auch die Fotografen mussten vor der Absperrung bleiben. Wenigstens waren sie mit Teleobjektiven ausgerüstet. Allerdings war Cornelius sehr unzufrieden mit seinem Presseagenten. Es war wieder eine halbausgegorene Sache, wie schon so oft. Der Deal war, dass er den kleinen Elefanten begrüßte und der Zoodirektor verkündete, dass der Kleine jetzt Anton hieße, wie der Rollenname, unter dem Cornelius vor Urzeiten bekannt worden war. Anton… 227 Folgen lang. Für die meisten Leute war er immer noch Anton, der in kurzen Hosen herumlief und freche Streiche spielte. Die Journalisten waren nie an seinen anderen Projekten interessiert, immer nur an Anton.

Endlich ließ man auch den kleinen Elefanten ins Gehege. Eine Welle der Rührung umfasste die Menge. Mit dem Rüssel tastete der kleine Elefant die Menschen vor ihm ab, wie bei einem Abzählreim. Cornelius packte den Rüssel und bewegte ihn kurz auf und ab, wie eine Hand, die man schüttelt. „Das reicht“, zischte der Zoodirektor. Laut sagte er: „Und damit heißt unser kleiner neuer Zoobewohner Anton. Vielen Dank, Herr Rasmussen.“ Cornelius lächelte und versteckte, dass ihm schlecht war. Früher hätte er sich mit Medikamenten und Alkohol dagegen gestemmt. Aber auch das ging nicht mehr. Alle Aufmerksamkeit galt jetzt dem Elefanten. Cornelius ging zurück zu den beiden Türen an der rückwärtigen Gehegewand. Ein Wärter rief ihm einen Hinweis zu, sonst hätte er sich wahrscheinlich für die linke Tür entschieden. Diese führte zum Bullengehege. Cornelius mied die Menschenansammlung vor dem Graben und ging in die andere Richtung. Als er an den Pelikanen vorbeikam, öffnete einer der Vögel seinen Schnabel bis zum Anschlag und blähte den Kehlsack auf. Cornelius starrte auf den Eingang zur Speiseröhre, der aussah wie ein Abflussrohr. Wie ein schwarzes Loch, das alles verschlingen würde. Schnell ging er weiter zum Papageienhaus.

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