(356) Für den Rest des Tages war Marina unkonzentriert gewesen…

von Alain Fux

Für den Rest des Tages war Marina unkonzentriert gewesen und hatte ihre Mitspieler fast in den Wahnsinn getrieben. Abends ging sie zur Party eines Produzenten. Zuhause hätte sie es nicht ausgehalten. Die meisten der Anwesenden kannte sie aus Film und Fernsehen.

Ein älterer, gepflegter Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, war im Gespräch mit dem Gastgeber. Sie fragte eine andere Schauspielerin, wer das sei. „Ossian Rogge“, kam die geflüsterte Antwort. Marina hatte viel über Rogge gelesen und gehört, hatte ihn aber noch nie persönlich getroffen. Rogge eine schillernde Persönlichkeit zu nennen, wäre eine Untertreibung gewesen. Er war das Bindeglied zwischen der Unterwelt und der Welt der Medien, Mäzene und Spendengalas. Immer wieder ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn, aber nie waren die Anschuldigungen zu beweisen. Marina überlegte kurz und fasste sich ein Herz.

Sie ging in Rogges Richtung, wurde aber fünf Schritte vorher von einem kompakten, kahlgeschorenen Mann im schwarzen Anzug aufgehalten. Rogge hatte sie bereits bemerkt und sprach: „Fritz, das ist ok.“ Zu ihr gewandt: „Entschuldigen Sie, er möchte nur spielen. Sie sind Marina Steiger, nicht wahr?“

Marina spürte, wie ihr Gesicht warm wurde und nickte erfreut. „Sie haben eine große Karriere vor sich, Marina Steiger. Darf ich Ihnen ein Glas Champagner anbieten?“ Fritz reichte ein Glas an Rogge, der es Marina übergab. Sie stießen an. Martina machte ein ernstes Gesicht: „Ich habe ein Problem, Herr Rogge.“ – „Nennen Sie mich Ossian. Ein Problem, sagen Sie? Machen Sie mir die Freude und lassen Sie mich es für Sie lösen.“

Sie erzählte ihm in aller Offenheit von den Fotos und der Zeitungsstory. Er hörte aufmerksam zu und nickte. Dann streckte er die Hand aus. Fritz griff in die Innentasche seines Sakkos und gab Rogge ein Mobiltelefon. Rogge wählte eine Nummer und ging zwei Schritte abseits.

Marina beobachtete, wie er freundlich ins Telefon sprach, zuhörte, sprach, zuhörte und das Telefon wieder zuklappte. Er kam zu ihr zurück. „Die Story wurde soeben beerdigt“, erklärte er, „und die Aufnahmen haben sich gerade alle in Luft aufgelöst.“

Es war Marina, als ob sie von der Erde abgehoben hätte und mit Rogge gemeinsam zu den Sternen flog. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vielen Dank“, stammelte sie. „Nichts zu danken“, antwortete Ossian, „es wird der Moment kommen, wenn auch Sie mir helfen können. Gefallen gegen Gefallen.“

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