(355) Was ist los, warum die Eile?

von Alain Fux

„Was ist los, warum die Eile?“ Marina setzte sich zu Maxim Wolter an den Tisch. Er war ihr Agent und hatte am Telefon gesagt, dass sie sich sofort treffen müssten. Als die Kellnerin weg war, schaute er um sich und legte dann ein Foto auf den Tisch.

Marina musste schlucken. Es war eine Nacktaufnahme von ihr. Sie versuchte zu lächeln. „Ich war jung und brauchte das Geld“, sagte sie. „Das ist die FSK-12-Version. Es gibt auch noch die XXX-Fassung. Und die hat eine gewisse Zeitung, die das Übermorgen veröffentlichen will.“ Marina wurde bleich. „Du musst das verhindern, Maxim!“ Sie wollte nach dem Foto greifen und stieß dabei das halbleere Wasserglas um. Maxim legte eine Papierserviette auf die Lache.

„Das ist schwierig, es sind ja quasi Pressefotos dieser Pornoproduktion.“ – „Soft…porno“, korrigierte sie ihn. „Hör mal, das ist auch eine Chance für dich. Wir können etwas daraus machen. Das bekommt sehr viel Presseaufmerksamkeit.“ Sie war entsetzt. „Auf keinen Fall, niemals. Ich will damit nichts mehr zu tun haben.“ Maxim legte seine Hand auf ihre zitternden Hände. „Marina, sie werden die Fotos veröffentlichen, so oder so. Wir können uns nur überlegen, ob wir in die Offensive gehen wollen und es für unsere Zwecke nutzen. Oder ob du für ein paar Wochen ganz weit weg Urlaub machen möchtest.“ Sie folgte der Holzmaserung des Tisches mit ihrem rechten Zeigefinger.

„Wenn dir deine Karriere wichtig ist, dann musst du mir vertrauen, dass ich das Beste daraus mache. Aber ich kann es nicht ungeschehen machen.“ Sie nickte, er hatte Recht. „Wie viele Filme waren es?“ – „Nur einer.“ – „Sie haben mir gesagt, der Film hieß ‚Junge Mösen – Harte Schwänze‘, stimmt das?“ Marina vergrub den Kopf in ihren Armen. „Ich glaube, den Titel werden sie nicht veröffentlichen. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes tun, damit es nicht passiert.“

Maxim legte den Arm um Marina. „Du musst da durch und ich verspreche dir, dass du nachher besser und stärker da stehst als vorher. Ich treffe die Jungs morgen früh, wir diskutieren dann, was veröffentlicht wird. Ich rufe dich sofort an, wenn ich Näheres weiß. Und mach keinen Blödsinn. Ich pass auf dich auf.“

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