(354) Silke Hasecke und Marina Steiger waren fertig in der Maske…

von Alain Fux

Silke Hasecke und Marina Steiger waren fertig in der Maske und saßen jetzt in den Kulissen für die neue Szene, einem nachgebauten Friseursalon. Sie trugen bereits Lockenwickler in den Haaren und über ihnen schwebten die Trockenhauben.

Helge Baus, der Regisseur, hatte sich einen Stuhl herangezogen und saß vor ihnen. „Silke, in dieser Szene soll schon im Ansatz der Frust von Susanne Sturm zu spüren sein. Sie erzählt ihrer Freundin von der gerade zu Ende gegangenen Hochzeitsreise. Man merkt, dass diese Frau mit ihrem Ehemann nicht mehr glücklich wird.“ – „Das verstehe ich, Helge“, antwortete sie, „aber warum lässt sich diese Frau das gefallen, mit all ihrer Intelligenz? Sie macht sich selbst unglücklich und zieht ein Monster heran… Warum tut sie das?“

Helge dachte nach. „Ich weiß nicht warum, aber so war es. Eric Sturm ist irgendwie durch sie zum Serienmörder geworden. Spiel es so, wie du es spürst. Dann sehen wir weiter.“

Als er weg war, meinte Marina leise: „So ein Bullshit. Hat keine Ahnung. Kein Wunder, dass er schon drei Mal geschieden ist.“ – „Wie würdest du Susanne Sturm anlegen?“ – „Da kann ich dir nicht helfen“, entgegnete Marina. „Ich glaube aber, dass diese Frau vielleicht die Intelligenz hatte, ihr Leben anders zu gestalten. Es wurde aber von ihrer Umwelt weder gewünscht noch toleriert. Was hätte sie denn machen sollen? Wenn es der Typ nicht gewesen wäre, dann halt ein anderer, vergleichbarer. Heute hätte sie mehr Möglichkeiten gehabt.“ Silke lehnte sich zurück im Sessel. „Ich mach’s so, wie Helge gesagt hat. Mal schauen, wie es rauskommt. Mein Gott, es ist ein TV Movie. Sowas versendet sich. Hast du Lust, dir nachher eine Linie reinzuziehen?“ – „Danke“, Marina klopfte sich mit dem Finger gegen die Nasenspitze, „ich habe schon. Meine Szenen kommen dann viel besser.“

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