(340) Die Hochzeit von Jan Kaufmann und Hannah Munk war für 10 Uhr angesetzt.

von Alain Fux

Die Hochzeit von Jan Kaufmann und Hannah Munk war für 10 Uhr angesetzt. Eine Viertelstunde davor waren die meisten geladenen Gäste vor dem Standesamt versammelt. Nur der Bräutigam fehlte noch.

Hannah stand abseits und versuchte, Jan per Mobiltelefon zu erreichen. Frieder, ihr Vater, sah sie mit düsterem Blick an. Ein Wagen fuhr vor. Hannahs Miene erhellte sich. Sie lief zu dem Wagen, war aber enttäuscht, als Nils allein darin saß. Nils stieg aus. „Wo ist Jan?“ Nils zuckte die Schultern. „Ich habe ihn gegen zwei Uhr zuhause abgeliefert. Er war nicht mehr ganz frisch, aber kein Grund, zu spät zu der eigenen Hochzeit zu kommen. Hast du ihn angerufen?“ Hannah ging wieder zurück zu ihrem Vater. Nils nahm die Dose mit dem Tabak heraus und schob sich eine Prise hinter die Lippe.

Hannahs Freundinnen hatten sich um die Braut geschart und versuchten, sie zu beruhigen. Tränen standen Hannah in den Augen. Ihr Vater hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt und blickte jetzt sehr finster drein.

Jan sah Hannah von weitem, als er dem Taxifahrer zeigte, wo er hinfahren sollte. Er war außer sich vor Wut und das schon seit eineinhalb Stunden. Er war mit einem fürchterlichen Kater und komplett angezogen auf seinem Bett erwacht. Er stellte fest, dass er sich auf sein Kopfkissen erbrochen und dann im Schlaf darin herumgewälzt hatte. Dann ging er ins Bad und wollte pinkeln. Dabei stellte er fest, dass sein Penis, seine Hoden, die Hüften und die Oberschenkel mit blauer Stempelfarbe eingefärbt waren. „Nils!“ Er war geschockt. Nach erfolglosen Reinigungsversuchen hatte er sich geduscht, angezogen und dabei festgestellt, dass sein Mobiltelefon und seine Autoschlüssel fehlten. Im Übrigen hatte er keine Ahnung, wo sein Auto geblieben war.

Jan war auf die Straße gelaufen und hatte ein Taxi zum Standesamt genommen. Als er ankam, sprang er aus dem Wagen und lief geradewegs auf Nils zu, der ihm genüsslich grinsend entgegensah. Jan streckte ihn mit einem Kinnhaken nieder.

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