(338) Eine Alleestraße mit renovierten Mietwohnhäusern, gehobener Altbau.

von Alain Fux

Eine Alleestraße mit renovierten Mietwohnhäusern, gehobener Altbau. Es war Herbst, die Bäume hatten sich mehrheitlich gelb und braun verfärbt. Ein nett hergerichtetes Mietshaus mit Balkonen, auf denen Kinderroller und Pflanzen standen.

Die Haustür öffnete sich und eine junge Frau in herbstlichem, modischem Outfit trat auf die Straße. Alles an ihr sah völlig normal aus, außer, dass sie sich einen Nylonstrumpf über dem Kopf gezogen hatte. Man konnte dahinter erkennen, dass sie ein sehr schönes Gesicht hatte.

Sie ging fröhlich und beschwingt die Straße hinunter. An der Ecke traf sie auf eine andere Frau, die ähnlich angezogen war, ebenfalls mit einem Nylonstrumpf über dem Kopf. Die beiden grüßten sich mit Gang-Handzeichen und gingen gemeinsam weiter. Nach und nach kamen drei weitere Frauen zusammen, so dass am Ende fünf Frauen, alle mit Nylonstrümpfen über dem Kopf, nebeneinander gingen.

Sie kamen zu einer großen Bankfiliale. Bevor sie gemeinsam hineingingen, holten sie unter ihren modischen Herbstmänteln Pumpguns heraus.

Jetzt der Eintritt in die Schalterhalle in Zeitlupe. Je zwei Frauen sprangen herein und sicherten den Raum rechts und links der Eingangstür. Ein Kunde, der an einem Stehtisch ein Formular ausfüllte, wurde zu Boden gerissen. Die zwei nächsten Frauen gingen weiter in die Schalterhalle hinein und hielten zwei weitere Kunden sowie einen Schalterbeamten in Schach.

Die fünfte Frau, die vom Anfang, ging bis ganz durch an den Tresen und hielt einem älteren, verdattert aussehenden Bankangestellten ihre Pumpgun unter die Nase: „Wir wollen Geld, alles, besonders die großen Scheine!“ Der Angestellte schaute sie an und lächelte dann. Er sagte: „Aber meine Damen. Wir haben doch jetzt die supergünstigen Dispokredite. Sie brauchen keine Banken mehr zu überfallen. Es ist doch jetzt noch viel einfacher.“ Die Frauen sahen sich an, rissen sich wie auf Kommando die Strumpfmasken vom Kopf und stürzten sich auf den Bankangestellten, um ihn zu küssen. Versehentlich drückte dabei eine der Frauen auf den Abzug – und es kam eine Flamme aus der Mündung. Die Pumpgun war nur ein Feuerzeug gewesen. Sie lächelte den Angestellten an, zuckte mit den Schultern, als ob es ihr peinlich sei. „Danke“, hauchte sie.

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