(329) Wie kommst du mit deinen Hausaufgaben voran?

von Alain Fux

„Wie kommst du mit deinen Hausaufgaben voran?“, fragte Alban streng. Fabian lag auf dem Bett und blickte von ‚Winnetou 2‘ auf. „Noch ein paar Seiten, bitte, dann fang ich an.“ – „Das sehe ich anders. Lesen kannst du später. Außerdem bist du heute dran, Liana beim Kochen zu helfen.“ – „Ist Mutter denn heute nicht da?“ – „Nein, sie ist noch im Krankenhaus, kommt erst später. Also Buch weg und fang an mit den Hausaufgaben.“

Fabian grummelte, setzte sich aber an den Tisch vor das aufgeklappte Schulheft. Alban hob den Eimer mit den Kartoffeln wieder hoch und trug ihn in die Küche. „Nachschub“, sagte er zu Liana, die gerade die letzte Kartoffel schälte. „Danke. Zu wievielt sind wir denn heute Abend?“, fragte sie. Alban zählte auf: „Wir fünf, Mutter etwas später. German bringt vielleicht noch einen Freund mit. In einer halben Stunde kann Fabian dir helfen. Ich muss noch etwas schreiben für morgen.“ Im Flur traf er auf Ana, die mit einem Korb schmutziger Wäsche auf dem Weg in die Waschküche war. „Grüße von Vater“, sie stellte ihre Last kurz ab, „er rief vorhin an, weil er ein paar Notizen aus seinem Arbeitszimmer brauchte.“ – „Geht es ihm gut?“ – „Klang so. Er meinte, Mailand sei ganz in Ordnung und die Konferenz laufe gut. Samstag kommt er zurück.“

Als Alban am Schreibtisch saß und begonnen hatte mit dem Aufsatz zum Thema ‚Wenn du Frieden haben willst, sei kriegsbereit!‘, hörte er, wie die Haustür aufging und German vom Fußballtraining zurückkam. Er hatte seinen Kumpel Arno mitgebracht. „Du hast es gut“, erklärte Arno gerade. „Ich muss extra fragen, ob ich heute Abend hier bei dir essen darf. Bei dir geht das alles so leicht. Ich wünschte, meine Eltern wären auch so.“ – „Deine Eltern haben einfach zu viel Zeit. Hier stellt sich die Frage gar nicht, denn wir sind alle so beschäftigt, dass jeder froh ist, wenn der andere selbst klarkommt.“ – „Das stimmt“, bestätigte Arno, „mein Vater kommt um sechs nach Hause und hat nichts anderes vor als Nachrichten zu schauen und meine Mutter scheint sich eh den ganzen Tag nur damit zu beschäftigen, was ich a) falsch mache, b) besser machen soll oder c) auf keinen Fall machen sollte.“ – „Siehst du“, entgegnete German, „ein Hoch auf Doppelverdiener-Akademikerhaushalte.“

Advertisements