(328) Ich fahr schon mal den Wagen aus der Garage…

von Alain Fux

„Ich fahr schon mal den Wagen aus der Garage“, rief Fabian Nussbeck nach oben. Er schaute ins Wohnzimmer, in dem sein Sohn saß und ein Buch las. „Tschüss, Dobby, geh nicht zu spät ins Bett.“ – „Tschüss, Papa“, antwortete Dobby, „Viel Spaß.“ Als Caroline in ihrem Sommerkleid aus dem Haus kam, saß Fabian bereits im Auto. Sie fuhren los.

„Alles ok?“, fragte Fabian. „Ich glaube schon, letzte Woche, als wir ins Kino gingen, hat es ja auch gut geklappt. Er ist jetzt alt genug, um alleine klar zu kommen.“ – „Dann fangen ja neue Zeiten für uns an. Eigentlich könnten wir in unserer Beziehung wieder da ansetzen, wo wir vor sieben Jahren aufgehört haben.“ – „So schlimm war es doch auch nicht, wir waren die ganze Zeit über auch ein Paar. Aber die Zeit ist wirklich einfach so verronnen, als ob jemand auf den Fast Forward-Knopf gedrückt hätte. Ich freue mich auf die Gartenparty heute Abend.“ – „Ich auch, wir müssen nehmen, was wir bekommen“, bestätigte Fabian. „Wir sind zwar aus dem Gröbsten raus, aber Ruhe werden wir erst in zwölf Jahren haben. Und bis dahin werden sich die Strohblumen hoffentlich in Staub aufgelöst haben.“

Caroline musste lachen. „Ja, ich weiß auch nicht, was er sich dabei gedacht hat. Dieses vertrocknete Zeug kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Aber sie gleich in den Mülleimer zu tun, habe ich nicht übers Herz gebracht. Irgendwann werden sie halt weg sein. Eine scheußliche Erfindung der Floristen, dieser Muttertag.“ – „Glücklicherweise läuft der Vatertag anders ab.“ – „Ihr habt es gut – gerade an dem Tag könnt ihr einfach abhauen. Wir Mütter müssen die ganze Lobhudelei über uns ergehen lassen.“ – „Du magst es doch auch ein bisschen…“ – „Nee“, wehrte sie ab, „kein bisschen. Würde mal gerne wissen, ob es meiner Mutter anders ergangen ist, damals. Ich dachte auch jedes Mal, was zum Teufel ich für meine Mutter tun sollte. Vielleicht ist es ihr genauso auf den Senkel gegangen. Jetzt kann ich sie ja leider nicht mehr fragen. Wie war das bei dir?“ – „Ganz anders. Wir fünf Geschwistern waren mehr untereinander beschäftigt als mit den Eltern.“

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