(324) Hannes Bender war genervt von seinem Sohn.

von Alain Fux

Hannes Bender war genervt von seinem Sohn. Natürlich liebte er ihn über alles, aber seit einigen Wochen bestand Francis darauf, Reiten zu lernen. Er wollte Jockey werden. Bender glaubte, dass es damit zusammenhing, dass Francis zu klein war für sein Alter und deshalb nach alternativen Möglichkeiten der Bestätigung suchte. Bender hatte ihn mit zur Rennbahn genommen, um ihm die in seinen Augen jämmerlichen Gestalten vorzuführen.

„Löwe, das ist nichts für einen richtigen Mann. Schau dir die Knirpse an, die wurden doch nur Jockey, weil nichts an ihnen dran ist. Der da zum Beispiel, der fällt doch bei jedem kräftigen Windstoß um. – „Das ist Nico Kunze“, entgegnete Francis, „er hat vor zwei Jahren das Deutsche Derby gewonnen.“ Bender seufzte. „Mag sein, aber es ist ja immer noch das Pferd, das läuft.“ – „Er hat auf Falke gewonnen. Das Pferd hatte vorher noch nie einen Sieg errungen.“

Bender griff die Hand des Jungen und zog ihn mit sich. Francis kam mit, zuerst widerstrebend, dann fügte er sich. „Hör mal, Löwe, ich sage es jetzt zum letzten Mal: Jockey ist nichts für dich. Du musst an dir arbeiten. Ich mache dir einen Vorschlag. Wir denken uns gemeinsam einen Parcours aus, bei dem wir unsere Muskeln mal so richtig arbeiten lassen. Das schlägt an, du wirst sehen. Und es macht Spaß.“ Francis schwieg, er dachte nur, dass er seinen Vater hasste. Wie immer in solchen Augenblicken, spielte er im Geist fantasievolle Todesarten für ihn durch.

In den nächsten Tagen plante Bender eine Reihe von Fitnessübungen, die sie gemeinsam ausführen würden, teilweise zuhause im Keller, teilweise draußen im Stadtpark. Er besorgte Expander, Hanteln und ein Standfahrrad. Bestandteil des Trainings waren auch Holzhacken, Freiübungen im Park und Waldläufe. Er stellte ein abgestimmtes und, wie ihm schien, abwechslungsreiches Programm zusammen. Nachdem er Francis weiter bearbeitet hatte, konnte sie mit den Trainingseinheiten beginnen.

Bender führte Buch über die Fortschritte, die Vater und Sohn erzielten und gab Francis ein Mal in der Woche eine Übersicht, wo sie gerade standen. Bender war sehr zufrieden damit, wie er die Jockey-Krise bewältigt hatte.

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