(323) Die Rennpferde waren gesattelt und wurden warmgeführt.

von Alain Fux

Die Rennpferde waren gesattelt und wurden warmgeführt. Sigrid Wilhelm lehnte sich gegen die Absperrung zum Führring. Sie beobachtete die Jockeys, die mit den Trainern der Pferde konferierten und sich ihre Anweisungen für das anstehende Rennen abholten.

Zu den Pferderennen war Sigrid ursprünglich gekommen, weil eine Freundin sie mitgenommen hatte. Die Freundin hatte gemeint, dass man dort interessante Männer kennen lernte. Dieser Meinung konnte Sigrid nicht folgen. Die dort anwesenden Männer rochen entweder nach Pferden, Alkohol oder billigem Rasierwasser, schlimmstenfalls nach allen dreien, und waren in ihren Augen völlig uninteressant. Wetten wollte sie auch nicht. Dennoch kam sie öfters hierher und zwar ausschließlich wegen der Jockeys.

Die meiste Zeit auf der Rennbahn verbrachte sie am Führring, denn nur hier konnte sie die Jockeys aus der Nähe beobachten. Natürlich würde sie dies nie zugeben, aber beim Anblick der schmalen Körper mit ihren kleinen Hintern, den weißen Hosen in glänzenden ledernen Reitstiefeln und der farbenfrohen Bekleidung fühlte sie eine erotische Anspannung.

Einer der Jockeys, Nico Kunze, hatte es Sigrid besonders angetan. Jedes Mal, wenn er vor einem Rennen im Führring auf und ab ging, schaute sie ihm fasziniert auf den Schritt. Gern hätte sie ihn kennen gelernt, ihn vielleicht verführt, aber noch wusste sie nicht, wie sie es anstellen sollte. So blieb es erst einmal nur beim Zuschauen.

Seit dem Tod von Gisbert hatte sich ihr Leben völlig verändert. Sein Ableben war gutes Timing gewesen. Erst hatte er das ganze Vermögen auf ihren Namen umschreiben lassen, dann kam die Insolvenz, schließlich starb er. In der Ehe hatte er Sigrid kurz gehalten, sowohl bei allem, was Geld anbelangte, als auch bei Sex und Zuspruch.

Seit seinem Tod war sie frei und reich. Es war nicht sein Plan gewesen, aber Gisbert hatte gut für sie gesorgt. Sie war ihm auch nicht mehr böse für die vielen vergeudeten Jahre an seiner Seite, in denen sie sich tödlich gelangweilt hatte.

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