(322) Früher war Pierre Malz Buchhalter bei Wilhelm & Cie. gewesen.

von Alain Fux

Früher war Pierre Malz Buchhalter bei Wilhelm & Cie. gewesen. Gleich nach der Handelsschule hatte er dort angefangen. Gezeichnet und gemalt hatte er auch damals schon, aber es war keine Alternative zu einem vernünftigen Beruf. Wilhelm & Cie. war spezialisiert auf den Vertrieb von Schrauben und Muttern, sowohl für den Maschinenbau als auch für den Bau.

Nach dem Krieg war Bertold Wilhelm, der Sohn des Gründers, eine Partnerschaft mit der Texas Screw Products eingegangen. Den Besitzer hatte er während seines Aufenthalts in einem amerikanischen Gefangenenlager kennen gelernt. Durch die Partnerschaft konnte Wilhelm die Einkaufspreise stark senken, was dem Unternehmen und ihm zu großem Wohlstand verhalf.

Gisbert, Bertolds Sohn, war der Unternehmenschef, als Malz eintrat. Anfangs erging es Wilhelm & Cie. weiterhin gut, aber Gisbert hatte nicht den Schneid seines Großvaters oder die Vision seines Vaters. Andere Unternehmen in der gleichen Branche wuchsen viel stärker und bauten ihre Kundenpräsenz aus. Gisbert musste ein Segment nach dem anderen aus Mangel an Rentabilität aufgeben. Schließlich waren die Einsparpotenziale erschöpft, aber der Umsatzrückgang hielt weiter an. Malz, der die Geschäftszahlen genau kannte, verfolgte die Entwicklung genau und wusste früher als alle anderen Mitarbeiter, dass es zu Ende ging. Wilhelm & Cie., eingetragen im Handelsregister unter der Nummer HRA 227,  musste Insolvenz anmelden.

Da es wenig Substanz gab, wurde der Betrieb geschlossen und abgewickelt. Malz verlor seinen Job wie alle anderen auch. Ihn traf es weniger hart, als er erwartet hatte. Es wäre ihm schwer gefallen zu sagen, ob er vorher glücklicher war oder nicht. Sein Leben war vorher in Ordnung und das änderte sich auch nicht, nachdem er arbeitslos war und keine weitere Anstellung mehr fand. Man schickte ihn in den Vorruhestand und dann in die Rente. Er hatte noch weniger Geld, fühlte sich aber reicher, weil er jetzt viel Zeit hatte, um sich wieder auf das Zeichnen und Malen zu konzentrieren. Daraus eine Existenz aufzubauen, war natürlich zu spät. Er passte sich an und sein Leben verlief in anderen, wenn auch nicht weniger geregelten Bahnen.

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